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 Der Verband für Musikberufe

Adriana Cervino und Johannes Schmeller: Musik für Klavier zu 2 und 4 Händen Konzertvom

„Musik für Klavier zu zwei und vier Händen“
Konzert vom: 
04.04.2008

war ein Konzertabend des Tonkünstlerverbands Augsburg-Schwaben überschrieben, für den auch der Bayerische Rundfunk Interesse zeigte; denn er hatte seinen Aufnahmewagen geschickt, um die Musik aufzuzeichnen. Der Schwerpunkt der Programmauswahl, die Adriana Cervino und Johannes Schmeller getroffen hatten, lag bei den Stücken für zwei Hände. Gerahmt wurde das Programm allerdings von  den vierhändigen Werken: zu Beginn spielten die beiden die selten zu hörenden „Acht Walzer“ „Drei wunderschöne Mädchen im Schwarzwald“ op. 6 von Paul Hindemith, der in diesem Frühwerk  nette, an Brahms und Reger erinnernde Hausmusik komponiert hat. Am Schluß erklang die mächtige „Ballade“ op. 36 von Richard Heller, der ein kontrapunktisch und rhythmisch sehr diffiziles Stück geschaffen hat, dessen Form nicht traditionell ist, sondern dessen Handlung „in Reminiszenzen fortschreitet“. Das sehr abwechslungsreiche Stück erinnerte an Muster aus der Folklore, an Gesang mit ostinater Begleitung, an wiegenden Walzer, dazwischen groteske Einwürfe und Klangverfremdungen wie glissandi und abgedämpfte Saiten, schließlich ein jazziger Schluß. Cervino und Schmeller fanden sich sehr gut zu einem Ensemble zusammen, obwohl oder weil sie von verschiedenen Richtungen des Klavierspiels herkommen: sie, die Virtuosin, die als Hohepriesterin der Kunst solistisch die subtilsten ästhetischen Offenbarungen verkündet, er eher der Denker am Klavier und der Teamspieler, der im Hintergrund „die Fäden zusammenhält“.  Als Solistin interpretierte Adriana Cervino das 2003 entstandene „Sonatanos“ ihres Landsmannes Horia Surianu, der wie sie aus Timisoara in Rumänien stammt. Das Stück zeigt schon im Titel seine musikalische Konzeption: Sonatanos kann man auch rückwärts lesen, und so ist die Symmetrie, das Spiegelbild die zentrale Konstruktionsidee. Zu hören war jedenfalls ein ständiger Wechsel zwischen wunderbar weich gestalteten Cantabile-Stellen und schnellen motorischen Abschnitten. Nach Surianu spielte Cervino sechs Stücke aus der riesigen Sammlung „Játékok“ von György Kurtág, wunderbar genau ausgehört in den verschiedenen Klangfarben, den Glissandi, und sehr dramatisch in den virtuosen Partien. Schmeller hatte sich  seltene Werke der Generation der jungen Komponisten der Zwischenkriegszeit ausgesucht und spielte Werke der Schrekerschüler Franz Petyrek und Ernst Krenek und  des griechischen Schönbergschülers Nikos Skalkottas. Von letzterem erklang eine Passacaglia aus den 32 Klavierstücken, deren bombastischen Schluß Schmeller genüsslich auskostete. Das Groteske als eine Art Reaktion auf die Anforderungen der Moderne war damals sehr en vogue. Petyrek und viele andere (z. B. auch schon Mahler) nahmen das in die Musik auf: aus den „Sechs grotesken Klaviertücken“ waren „Excentric“, „Wurstelprater“ (ein Walzer ironisch), „Der offizielle Empfang“ (seines kleinen Jungen) und „Ein nächtliches Abenteuer“ als Persiflage auf das romantische Charakterstück zu hören. Den kompositorischen Witz und die Vielfalt der Stücke, bei denen man manchmal auch Debussy heraushörte, brachte Schmeller exzellent zur Darstellung. Kreneks 1948 entstandene vierte Klaviersonate mit ihrer raffinierten Mischung aus Zwölftonstil mit tonalen Feldern, Jazz, Walzeranklängen und Bachs Inventionen bildete den Höhepunkt des Abends, den Schmeller einfühlsam und präzise und mit großer Klangphantasie gestaltete. Das Publikum war begeistert.

Christian Nees