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 Der Verband für Musikberufe

Anna Skouras, Violine - Andreas Skouras, Klavier Konzert

Anna Skouras, Violine
Andreas Skouras, Klavier
Konzert vom: 
18.02.2011

Die georgische Geigerin Anna Skouras und der griechische Pianist Andreas Skouras gestalteten einen Duoabend des Tonkünstlerverbandes in Augsburg mit Werken von deutschsprachigen, zwischen 1940 und 1960 geborenen Komponisten. Lediglich mit den zwei Piano Puzzle Pieces (aus dem 1. Teil) von Volker Nickel kamen auch Stücke eines jüngeren Komponisten im Programm vor. Nickel ließ sich von Arno Schmidt inspirieren bei der fantasievollen Betitelung seiner kurzen Stücke, wobei das kompositorisch irgendwie nicht hörbar wurde; denn das erste der Stücke klang wie eine moderne, zweistimmige Invention für Klavier, mit vielen Pralltrillern versehen, das zweite klang völlig atonal, chaotisch, wild laut und sanft-leise. Andreas Skouras überzeugte hier bereits mit sehr differenzierten Klangabstufungen innerhalb des Forte (nie zu hart!) und auch des Pianos. Zu Beginn erklang vom Jubilar Wilfried Hiller das Duo „Der Tod ist eine schöne Frau“, eigentlich eine Musik zum nie in dieser Form realisierten Jedermann in Salzburg. Den „modern-romantischen“ (oder wie man es benennen soll) Stil dieses Werkes trafen die Geigerin mit schwelgerischen und elegischen Tönen ebenso gut wie der Pianist. Richard Hellers Drei Miniaturen bescheinigte Andreas Skouras dann eine „zeitlos moderne Tonsprache“. Das Duo hatte sichtlich Spaß an dieser dreisätzigen kurzen und prägnanten Spielmusik und dialogisierte sich durch die verzinkte Rhythmik bis zum rasanten Schlußeffekt. Anna Skouras präsentierte sich als Solistin in Beckschäfers The Image of Melancholy nach einer Gamben-Pavan von Holborne. Den Charakter arbeitet sie sehr schön heraus, besonders die zarten Doppelgriffpassagen und die Abwechslung zwischen Vibrato und Non-Vibrato-Spiel; aber die Farbgebung beim Vibrato war etwas zu pauschal. Besonders beeindruckende Stücke hatte das Duo mit Hans-Jürgen von Boses Drei Studien und Kiesewetters Hed op. 62/2 vorbereitet. von Bose nahm sich das Thema Zeit und ihre Wahrnehmung vor, wie Skouras dankenswerterweise erläuterte. Mit manchen Stellen dieses Stückes komme er und seine Partnerin an die Grenzen des Machbaren. Mit gegenseitigen Überholungen war der erste Satz gefüllt, lange Töne der Violine stehen gegen kurze schnelle des Klaviers. Ganz wild verlief der zweite Satz mit den angekündigten kompliziertesten Rhythmen, Spiccatostellen, schwierigsten Doppelgriffen. Auch beim dritten Satz hatte man zeitweise den Eindruck, beide Musiker spielten in verschiedenen Stücken, als plötzlich alles im Pianissimo endete. Ganz anders Kiesewetters Hed, das „persönlichste Stück aus wenigen Tönen bestehend“, eine Offenbarung. Gebannt lauschte man der gespielten Stille, weichste Klaviertöne, darüber glasklarer Violingesang brachten ergreifende Resignation, reine Naivität, tiefe Ruhe zum Ausdruck. Trotzdem große Spannung, die die zahlreichen Zuhörer kaum mit Beifall zu stören wagten.

Christian Nees