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 Der Verband für Musikberufe

Bataillon Modern

Panoptikum-Jazz
Konzert vom: 
08.05.2015

„Wieder so was in der Art wie Balkan“ sei die nächste Nummer, so Harry Alts Ankündigung – die Interpreten hatten es offenbar selber nicht leicht, ihre Musik einzuordnen. Dabei trifft es diese Schein-Unschlüssigkeit in Wirklichkeit recht genau. Die Kunst des Augsburger-Münchner Jazz-Quartetts „Bataillon Modern“, das am Freitagabend im Augsburger Rokokosaal auf Einladung des hiesigen Tonkünstlerverbandes erstmals in der Besetzung mit Kontrabass (Maximilian Hirning) auftrat, war tatsächlich von globalem Umfang, „Irgendwo zwischen Avantgarde, Free Jazz und europäischer Tradition“, so lautete bereits der Konzerttitel. Einen Kessel Buntes und trotzdem eine Einheit bildeten die 15, teilweise Interludiums-haft kurzen Nummern. Weltmusik wäre der richtige Begriff für die reizvollen Begegnungen der Genres, wäre er nicht bereits durch einen musikalischen Stil besetzt. „Bataillon Modern“ spielen weltmusikalischen Jazz, aber anders. Über dem marschierenden Snare-Rhythmus des Drummer Harry Alt – eine Reminiszenz an den Bandnamen – spann Saxofonist und Klarinettist Jan Kiesewetter eingangs ein melancholisches Tune, das auch hervorragend in schottischen Highlands gepasst hätte. Nach dem Einstieg mit einer Klangschalen-Corona, von Harry Alt nach Glasharfenart erzeugt und auf gleicher Tonhöhe von der Melodika fortgesetzt, baute sich die Saxofon-Climax auf, von Hammond-artig waberndem Gitarrensound Andi Rosskopfs befeuert, es folgte Erschlaffen. „Schreck“ hieß nicht grundlos eine andere Komposition mit Explosion und versöhnlichem Piano-Echo, „Fast Food“ eine zeitraffende Bebop-Szene. Aus dem swingenden Latin wuchs ein vitaler Salsa, hinter der „Prinzessin auf der Erbse“ stak ein kreativ kombiniertes Panoptikum an Tänzen aus Orient und Balkan, und auf einem Plateau folgte im Leerlauf ein Geräusch-haftes Free-Intermezzo, darauf ein typisch straffer Tango. Die Bandbreite des musikalischen Ambitus bis zur Klassik, die schöpferische Mischung der weitgehend arrangierten, aber mit Improvisationsnischen gespickten Kompositionen, die Präzision im Zusammenspiel, besonders in den Unisono-Strecken und das inzwischen neunjährige Eingespielt-Sein begeisterten die Hörer. Diese Musik ist modern mit traditionellen Wurzeln, erfrischend kreativ, mit Barrierefreiheit und Witz gemengt und von hervorragenden jungen Musikern hervorragend gespielt. Obwohl leider nicht viele Besucher da waren, wurde zuletzt so druckvoll geklatscht als wäre der Saal voll.

Stephanie Knauer