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 Der Verband für Musikberufe

Carolin und Adriana Cervino Liederabend

LISZT UND DIE MODERNE
Liederabend mit Carolin und Adriana Cervino beim Augsburger Tonkünstlerverband
Konzert vom: 
19.11.2011

Augsburg. Es macht Sinn,  Franz Liszt gerade in seinem Jubiläumsjahr zusammen mit Vertretern des Impressionismus und der klassischen Moderne in einem Programm zu präsentieren, wurde doch Liszt durch seine formalen und harmonischen Neuerungen – bis hin zur „Bagatelle sans tonalité“ – zu einem maßgeblichen Wegbereiter verschiedener musikalischer Strömungen des späten 19. und früheren 20. Jahrhunderts.

So waren im Liederabend der Mezzosopranistin Carolin Cervino mit ihrer Pianistin Adriana Cervino – veranstaltet vom TKVA am 19. November und erstmals in den Räumen des Augsburger „pianohauses hermes & weger“ – durchaus analoge Strukturen in den Kompositionen von Liszt, Debussy, Strawinsky und Britten zu hören.
Die inzwischen international tätige Sängerin – breit gefächert ausgebildet am Salzburger Mozarteum bei den Professoren Branisteanu, Holzmair, Seifried und Gramss sowie durch zahlreiche Meisterkurse (u.a. bei E. Moser und R. Holl.) – zeigte neben sprachlicher Vielseitigkeit  in Strawinskys „Le faune et la bergère“,  Debussys „Le faune“ und „Trois chansons de Bilitis“ sinnliche Geschmeidigkeit und flexible Kontrastbereitschaft, aber auch dramatische Klangfülle und temperamentvolle darstellerische Energie in Brittens Kantate „Phaedra“ op. 93 – ein mit hohen konditionellen, enormen sängerischen und mannigfaltigen pianistischen  Herausforderungen gespicktes Werk.

Adriana Cervino –  sie studierte an den Musikhochschulen in Bukarest und Frankfurt (dort in der Meisterklasse von Leonhard Hokanson) – zeigte sich als souveräne Kennerin und Gestalterin neuerer Musik, präsentierte den Klavierpart virtuos und mit einem reichen Schatz an Klangfarben, stets in exzellenter ästhetischer Übereinstimmung mit der Sängerin.

Die abschließenden Liszt-Lieder „Ihr Auge“, „Der Fischerknabe“, „Freudvoll und leidvoll“ und „Mignons Lied“ zeugen teils von Liszts progressiver, teils aber auch von seiner romantischen Seite – erinnert doch der Klavier-Beginn des Fischerknaben verblüffend an seine Konzertetüde „Un sospiro“. Begeisterter Beifall im vollen Saal, eine Debussy-Zugabe, Rosen: ein gelungener Abend.

Stephan Kaller