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 Der Verband für Musikberufe

Christian Dellinger - Kadri-Ann Sumera Konzert

Echo und Dialog
Konzert vom: 
29.02.2008

Höhe- und Schlusspunkt der ersten „Saxophontage Augsburg“ zugleich war das „Eröffnungskonzert“ Hans- Christian Dellingers und der estnischen Pianistin Kadri- Ann Sumera am letzten Februarabend. Denn nur wenige Teilnehmer folgten dem Augsburger Saxophonisten und seinem übers Wochenende gedachten Kursangebot, wenige Zuhörer dem Konzertangebot im Zentrums- nahen „Pianohaus Hermes & Weger“. Es muss sich erst herumsprechen, das neugeborene Festival. Und das enorme Können von Kursleiter und Korrepetitorin, die mit einem attraktiven Programmgemisch aus Romantik und gemäßigter Moderne und mit einer hervorragenden Performance vom ersten Klavierklang bis zum leise verklingenden Encore restlos begeisterten. „Senza metrum“ nannte Kadri- Anns Vater Lepo Sumera (1950- 2000) seine einsätzige „Entwicklung“, die 1986 nach seiner Filmmusik zu „Der Vogelbeobachter“ entstand und deren liegendes Eingangs- Intervall bereits die leere Weite der Filmlandschaft verströmte. Wie ein Schatten spiegelte, summierte oder nahm der Klavierpart das Tonmaterial des einsam monodierenden Sopransaxophons vorweg, bis das rhythmisierte Fundament die Solostimme in ein swingendes Loop mündete und abrupt auf scharfer Sekunde schloss. Eigentlich für Klarinette und Klavier gedacht, tat dieses Arrangement der stimmungsreichen Wirkung keinen Abbruch. Im Gegensatz zum romantischen Repertoire, dem sich das belegte Timbre des Instruments gerade in den Höhenlagen nicht immer stimmig anpasste. Trotzdem überzeugten Robert Schumanns für Horn und Klavier komponiertes „Adagio und Allegro“ op. 70 und Johannes Brahms´ eigentliche Klarinetten- Sonate f- moll op. 120 durch nahtlos abgestimmte Zweieinigkeit und eine plastische Interpretation, die sämtliche Werke buchstäblich begreiflich werden ließ. Aus dem Vollen rollten und verebbten so die emotionalen Wogen in Brahms´ Kopf- Allegro appassionato, in passgenauem Tempo tänzelte das Allegretto grazioso, mit überschwänglich- sommerfrischer Freude rauschte das nur kurz melancholisch eingetrübte Final- Vivace. Dazwischen tröpfelte das Andante un poco adagio in jenseitiger Ruhe und auf schier unendlichem Atemstrom Hans- Christian Dellingers, der in Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ als Encore meditativ- zeitlose Blüten treiben sollte. Davor lag noch Graham Fitkins (* 1963) jazznahes Duo „Gate“ (2001) für Sopransaxophon und Klavier, das aus konturiertem Triller heraus keimt und via minimalistischer Loops zu Passagen funkiger Synkopierung ausbricht: Wehe dem Interpreten, der hier den Anschluss an die kammermusikalisch höchst anspruchsvollen Unisono- Passagen verpasst! Kadri- Ann Sumera jedenfalls, die ihren Part mit betörend farbenreichem Anschlag nahezu fehlerlos meisterte, und Hans- Christian Dellinger, der seinen samtweichen Ton vielseitig beredt nuancierte, gelangen sämtliche Hürden mit CD- reifer Perfektion. Auch in der dreiteiligen Sonatine für Altsaxophon und Klavier (2005) des Ligeti- Schülers Manfred Stanke (* 1951), deren Ecksätze teils responsorische, teils komplettierende oder weiterführende Teiltonanregungen der Klaviersaiten bergen. Dazu ist das Finale in mittelalterliche Hoquetus- Technik gekleidet: ein virtuoser „Schluckauf“, der sich dauerlaufend- unvermittelt zwischen den Ausführenden aufteilt. Verdient druckvoller Dauerbeifall für die zwei Künstler, die gekonnt mit Gefühl und Verstand gestaltet hatten.

Stephanie Knauer