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 Der Verband für Musikberufe

David Sick (Gitarre) – „industrial blues“ Konzert

Die 1-Gitarre-Band
Konzert vom: 
14.10.2006

„Fingerstyle-Guitar“ nennt sich David Sicks Spielweise, und das heißt: alle neun vom Gitarristen einsetzbare Finger sind gleichzeitig und unabhängig voneinander auf den Saiten in Bewegung. Das ist doch nicht Besonderes für einen Gitarristen , mag man dagegen einwenden. Aber bei David Sicks Spiel ist es das schon. Wenn man als Zuhörer die Augen schließt, hat man den Eindruck, es klingt wie eine ganze Band mit Baß, Gitarren und Schlagzeug. Sicks ständig mehrstimmiger Fingerstyle imitiert auf höchst virtuose Weise das Spiel mehrerer Instrumente. Dazu muß er seine leicht verstärkte akustische Gitarre – vor allem die tiefen Saiten - zwischen den Stücken ständig umstimmen. So erreicht er einen E-Baß-Effekt, und zusammen mit dem Trommeln der rechten Hand auf das Corpus oder die Saiten tönt es fast wie eine vollständige Rhythmusgruppe. Dazu spielt er aber auch gleichzeitig mindestens zwei Oberstimmen. Sein in Augsburg präsentiertes Programm bestand aus eigenen Kompositionen und für seine virtuose Technik arrangierten Hits von den Beatles, ABBA oder Diana Ross. Ein „Liedermacher“ ist er ganz bewußt nicht, Gesang findet nicht statt, im Mittelpunkt steht ausschließlich sein Instrument. Sick gibt sich ganz locker, überbrückt die Umstimm-Pausen mit witziger, selbstironischer Moderation. Diese Entspanntheit, die aber keine Spannungslosigkeit ist, demonstriert er auch bei den südamerikanisch angehauchten Stücken, für die er ein tolles Samba-Feeling mitbringt und die so richtig abgehen. Aber er beherrscht auch die leisen Töne und zelebriert coole, glasklare Flageolet-Kantilenen bei Balladen. Als Hommage an seinen im Publikum zuhörenden früheren Lehrer, den Krumbacher Dozenten Stephan Barcsay, wollte er die Stücke von Tarrega und Pujol verstanden wissen, die er in „klassischer“ Spielweise genauso technisch perfekt wie alle anderen musizierte. Erst nach drei Zugaben ließ ihn das Publikum von der Bühne. Der Vorsitzende des Tonkünstlervereins Heller sprach zu Beginn des Konzert von einem Künstler, der am Anfang seiner Karriere stehe. Aber bei Sick, dem Dresdner Hochschul-Dozenten, hatte man eher den Eindruck, er sei bereits mindestens auf einem ersten Gipfel seiner Kunst angelangt.

Christian Nees