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 Der Verband für Musikberufe

"Der Sommer meines Lebens" Konzert

Stefan Schulzkis schöner Sommer
Konzert vom: 
25.10.2010

In Zusammenarbeit mit "Zukunftsmusik", einem Projekt der Augsburger Philharmoniker zur Aufführung neuer Musik, veranstaltete der Tonkünstlerverband Augsburg-Schwaben das letzte Konzert im Rokokosaal der Regierung. Den Titel "Der Sommer meines Lebens" lieferte zurecht das Klavierquintett des Augsburgers Stefan Schulzki, das an diesem Abend uraufgeführt wurde; denn es war eindeutig das beeindruckendste, spannendste und klangreichste Werk der drei Klavierquintette, die das Programm ausmachten.

Das Werk, mit dem Schulzki ein Kompositionsstipendium der Stadt München gewann, schillerte in vielen Facetten: man fühlte sich manchmal an Ravel erinnert bei lyrischen und "romantischen" Partieen, ruhige, langsame Stellen folgten auf weiche Kantilenen, eine unaufdringliche, zugeschaltete live-Elektronik lieferte zeitweilig einen durchlaufenden beat, als es scherzoartig wild wurde. Zu diesem beat erklang später eine expressive Cello-Kantilene, die Johannes Gutfleisch sehr eindrucksvoll gestaltete. Die vielen immer wieder sich auf- und abbauenden Spannungsbögen endeten schließlich im höchsten Streicherregister, in einem spannenden Pianissimo und schließlich klanglichen Nichts. Man hörte, welch wunderbare Streicher im Augsburger Orchester spielen, und wünschte sich, sie öfter solistisch hören. Neben Gutfleisch agierten Agnes Malich, Jane Berger (Violinen) und Verena Würtele (Viola) in gleicher Weise kammermusikalisch sensibel und wie solistisch virtuos. Den komplexen Klavierpart deckte Andreas Kirpal kompetent ab.

Neben Schulzki konnte auch ein zweiter Komponist die Uraufführung seines Klavierquintetts miterleben. Roland Leistner-Mayer hatte sein op. 121 im Geiste Dvoraks komponiert und es selbst so beschrieben: "das freitonale Werk in klassisch-traditioneller Form ist gekennzeichnet von impulsiver, eruptiver Rhythmik im Kontrast mit lyrischen, weit gespannten melodischen Bögen". Damit ist im Prinzip alles, im einzelnen aber auch irgendwie nichts gesagt und gleichzeitig auch die Begrenztheit der Sprache aufgezeigt, sinnvoll und adäquat Musik in Worte zu fassen. Auch diese Zeilen vermögen daran nichts zu ändern etwa mit Hinweisen auf die konzertierenden Abschnitten zwischen Klavier und den Streichern, die "schönen" leidenschaftlichen Kantilenen, die die Streicher oft in Oktavkoppelungen in die höchsten Lagen führten, das bei dieser Akustik des Rokokosaales etwas zu knallige Klavier im Scherzosatz oder das virtuos gespielte Prestissimo des Schlußsatzes.

Das dritte Werk hatte der Engländer Thomas Adès 2000 komponiert "in melodischer Anlehnung an Beethovens Klaviersonate op. 28", das "strikte Sonatenform mit kompliziertesten metrischen Prozessen (Taktarten wie 3/5, 3/6, 3/7)" vereint. Wie stellte sich diese Anlehnung dar? Etwa im wiegenden Rhythmus mancher Stellen, die immer wieder massiven Störungen ausgesetzt waren? Da klang es dann eher wie Brahms und nicht wie Beethoven. An anderer Stelle tönte es nach minimal music, oder man hörte farbenreiche 1-Ton-Studien. Oder nach einem beeindruckenden Violinsolo Malichs choralartige Gesänge, gegen die das Klavier machtvoll anspielte. Das leider nicht sehr zahlreich erschienene Publikum war jedenfalls von den Musikern und der Musik begeistert, und die, die nicht da waren, haben Gelegenheit, das ganze Programm im Radio anzuhören, wenn der Bayerische Rundfunk den Mitschnitt dieses Konzertes senden wird.

Christian Nees