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 Der Verband für Musikberufe

Duo Recordronik

Fusion zweier Klangwelten
Elisabeth Haselberger und Petra Wurz (Blockflöten und Elektronik) EMERGE & Gerald Fiebig (Elektronik)
Konzert vom: 
20.03.2015

In diesen bitteren Apfel muss sie beißen: die Moderne der Neuen Musik hat zumindest in Augsburg keine große Fangemeinde. Die vom TKVA veranstaltete kammermusikalische Fusion von Elektro-Sound und akustischer Blockflötenmusik lockte am Freitagabend nur eine Handvoll Zuschauer ins Augsburger Kulturhaus abraxas, zu wenig für das Gebotene, denn es war hörenswert. Das „Duo Recordronik“ kam aus Linz und begann schon nachmittags mit dem Aufbau, auch in der Pause wurde für das Folgende umgestellt und eingerichtet. Die Interpretinnen Elisabeth Haselberger und Petra Wurz bedienten die Bandbreite von der Sopran - bis zur Paetzold-Kontrabassblockflöte souverän, spielten die auch Spielgeräusche und Techniken wie Stimmeinsatz fordernden Partituren mit Notentreue und künstlerischem Ernst, zelebrierten, schufen Atmosphäre. Der Abend begannrein elektronisch, endete rein akustisch. Audio Artist Gerald Fiebig, der die Soundstation bediente, war mit EMERGE (Sascha Stadlmeier) quasi die Vorband mit „Chuckle“ und „Recorded Recorders“, ad-hoc-kompositorisch kombinierten Samples, das „Klangmaterial“ stammte aus Augsburger „Mehr Musik!“-Projekten mit Schülern. Verfremdung und Loops entdeckten die Musik im Geräusch, allerdings geriet der Einsteiger etwas langatmig. Interessant war im Folgenden die verschiedenerlei Interaktion zwischen Einspielung und Livemusik. Fabrizio de Rossi Res humorige „Salse“ war eine geschäftige Groteske à la medieval aus antiken Rezepten Apicios mit klangmalerisch aufgeregten Vogelstimmen seitens Petra Wurz. Mittelalterliche Stimmen trafen in Periklis Liakakis´ „Dist(ohr)tion“ auf modernen Beat, nicht ohne Spuren und Adaptionen. Agostino Di Scipio interessierte in seinen sezierenden „4 variazioni sul ritmo del vento“ die Spielgeräusche, „das mikro-rhythmische Artikulationspotenzial“ der Kontrabassblockflöte (Elisabeth Haselberger), jeder Satz erhielt außerdem sein Bühnenfarblicht. Klaus Hollinetz nahm den Sound in „Islands and Streams“ als mystisch-folkloristischen Bildhintergrund, Dorothée Hahnes den „Totentanz“ als Klangatmung vom Band mit akustischem Einklangsendpunkt: diese Version mit zwei Sopranblockflöten war eine Erstaufführung. Trotz der wenigen Besucher gab es langen Applaus für einen starken Auftritt.

 

Stephanie Knauer