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 Der Verband für Musikberufe

ELIN - SAKAS

Kreative Grenzgänger
Christian Elin und Maruan Sakas changieren zwischen Klassik und Jazz
Konzert vom: 
02.12.2016

Von Stephan Kaller

Eine gewagte, aber geglückte Kombination verschiedenster Kompositionsstile erlebten die Besucher Anfang Dezember im  Konzertsaal des Leopold-Mozart-Zentrums der UNI Augsburg. Der Tonkünstlerverband Augsburg-Schwaben hatte mit Christian Elin (Sopransaxophon, Bassklarinette) und Maruan Sakas (Klavier) zwei renommierte Musiker geladen, die ihre transkribierten Fassungen bedeutender Sonaten der Bläserliteratur mit geistvoll-poetischen, jazznahen Eigenkompositionen konfrontierten.

Dass dabei die Legitimatios-Frage für eine Saxophon-Klavier-Wiedergabe der im Original mit Flöte und obligatem Cembalo besetzten Es-Dur-Sonate von Bach  aufkommt, ist schlüssig – und dennoch war diese Frage schnell vergessen, denn das kantable legato-Spiel des Saxophonisten insbesondere im Siziliano, die dynamische, oft echoartig gestaltete Differenzierung, das ungemein spritzige, flotte Leggiero des Pianisten überzeugten – und wenn es eine Literatur gibt, die nahezu auf jedem Instrumentarium gültig klingen kann, dann ist es die Musik Bachs, die hier wie eine mögliche, gültige Retrospektive aus heutiger Zeit darauf wirkte.

Authentisch präsentierten die Künstler auch Poulencs Sonate. An die Stelle der Oboe trat das Saxophon; Elin und Maruan übertrugen den Zuhörern die Trauer in den Ecksätzen - Élégie und Déploration -  des im Andenken an Prokofjew komponierten genialen Werks, brillierten dazwischen im toccatenartigen  Scherzo  mit seinen Stil-Zitaten dieses Komponisten.                                                                                                                                                       

Leiteten diese Sonaten jeweils die Konzerthälften ein, so füllten Eigenkompositionen der beiden Interpreten das Programm. Komponieren können die beiden allemal – nicht zuletzt hat der weitgereiste und gefragte Christian Elin nicht nur Enjott Schneiders Saxophonkonzert, sondern auch sein eigenes Orchesterwerk „Waves“ beim Weltsaxophonkongress in Straßburg zur Uraufführung gebracht, tritt auch Sakas als Komponist, Arrangeur und Hochschuldozent in Erscheinung.                                                               

In Elins En route wechseln sich über dem Klavier Saxophon und Bassklarinette ab - letztere teilweise als reizvolles Rhythmusinstrument eingesetzt -, geben minimalistische Figuren jazzigen Phasen die Hand. Le vent d’ouest - nach einer ruhigen Bassklarinetten-Improvisation gesellt sich das Klavier dazu, schmiegen sich die Instrumente in manchmal klezmerähnlichen oder meditativen, manchmal popartigen Klängen aneinander, durchsetzt von aufgeregten Unisonos. Drei Tonstufen der A-Dur-Tonleiter formen die Komposition 1,2,5 von Sakas, in dem sich über einem vibrierenden Klavier-Klangteppich das Saxophon virtuos ausbreitet. Als furios-symphonisches Duo erwies sich Elins  Hymne angéline. Hier vereinen sich  Anklänge an Skrjabin, Prokofjew, Pop, Samba und Jazz.                 

Diese eigentlich riskante Verflechtung unterschiedlichster Stile und Kompositionstechniken – im gemeinsamen Werk ‚Juste pour le plaisir‘ noch einmal enorm variierend und in der Gesamt-Programmgestaltung evident – gelang, und dies vor allem durch die strukturelle Qualität der Kompositionen, durch ein erstklassig aufeinander eingespieltes, professionelles Duo, das - manchmal bei geschlossenen Augen – in frappierend stimmiger Interaktion auch bei schnellsten Rhythmuswechseln, Unisonos, Charakter- und Farbvariationen virtuos agierte, persönlich moderierte und künstlerisch faszinierte.