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 Der Verband für Musikberufe

Frank Spaniol Konzert

Konzert vom: 
22.05.2007

Die Entscheidung des Tonkünstlervereins Augsburg-Schwaben, einmal im Jahr auch ein Jazzkonzert zu veranstalten, war eine gute, wenn es auf dem hohen Niveau, wie es das Frank-Spaniol-Quartett demonstrierte, weitergeht. Das war improvisatorische Musik vom Feinsten, spannend, energiegeladen, intelligent, humorvoll. Die vier Musiker Frank Spaniol (Tenorsaxophon), Ulf Kleiner (Klavier), Markus Bodenseh (Kontrabaß) und Sebastian Merk (Schlagzeug) fesselten das ganze Konzert über mit kraftvoller Lockerheit, Ideenreichtum, perfektem Zusammenspiel, wacher gegenseitiger Aufmerksamkeit und großer Raffinesse. Alle Stücke sind selbst gemacht in diesem „demokratischen Quartett“ (wie Spaniol es nannte), in dem jeder seine eigenen Kreationen beisteuern kann. Das ganze wirkte wie der gute alte Bebop, aber ins Jahr 2007 versetzt: an die Tradition gebunden, aber völlig frei mit ihr umgehend, irgendwie hysterisch, aber gleichzeitig sehr cool, sehr geplant, aber doch auch wie improvisiert, irgendwie kompliziert, aber dann doch sehr klar und durchsichtig. Immer wieder überraschte die Zuhörer der geballte Ideenreichtum der Gruppe, in der oft alle gleichzeitig improvisieren, bei der keiner sideman sein muß. Bei den Themen der Stücke war dann aber auch ein Zurücknehmen zu einem perfekten Unisono zweier oder dreier Instrumente zu vernehmen, ein völliges Verschmelzen zu einer Stimme. Spaniols Tenorsaxophon kommt im Prinzip aus der coolen Ecke der Tradition, was sich besonders bei den Balladen zeigte, wo es traurig, verloren und sehr zart klang, es kann aber auch sehr „einheizen“, zum Beispiel bei den vielen schnellen riffs, deren Kraft öfters zum Sichreinsteigern verwendet wurde. Ulf Kleiner am Piano spielte humorvoll mit diversen musikalischen Masken, mal klang es wie ein klassisches Stück von Debussy, mal wie ein klimperndes Bar-Piano. Bodenseh überzeugte mit flinker Virtuosität und vielen Ideen bei seinen Soli. Sebastian Merk am Schlagzeug hat die Revolution seines Instrumentariums zum „Gesangsinstrument“ mitvollzogen und lieferte viele überraschende Klang-Effekte und „Nebenstimmen“. Sein Schlagzeug ist kein Instrument mehr, um irgendein Tempo vorzugeben und präsent zu halten, es ist ein gleichberechtigtes Melodieinstrument Den beat braucht keiner mehr vom Schlagzeuger zu hören, den spüren alle anderen Mitspieler sowieso. Die Zuhörer erklatschten sich begeistert einige Zugaben.

Christian Nees