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 Der Verband für Musikberufe

GO GUITARS Konzert

Kino für die Ohren
Konzert vom: 
05.02.2010

„Improvisierte Musik mit E-Gitarren und Elektronik“ stand im Mittelpunkt eines experimentellen Konzertes des Tonkünstlerverbands Augsburg-Schwaben. Man hatte in den schlauchartigen Hoffmann-Keller des Theaters Augsburg gebeten, an dessen Stirnseite das Trio „Go Guitars“ - bestehend aus den national und international renommierten und auftretenden Herren Gunnar Geisse, Harald Lillmeyer und Adrian Pereyra - sein Equipment aus diversen Instrumenten, Laptops und Soundanlage aufgebaut hatte. Das Wort Go ist hier nicht englisch zu verstehen, sondern japanisch und bedeutet „fünf“; denn 1997 begann man ursprünglich zu fünft anläßlich der Aufführung eines Stückes für fünf Gitarren. Die Gitarren wurden an diesem Abend aber kaum herkömmlich traktiert, sondern dienten lediglich als Erzeuger von Schwingungen, die dann elektronisch verstärkt und mit samples vom laptop gemischt über die Anlage ausgestrahlt wurden. Zu hören waren so circa 20minütige Klanggebilde, die meist nach dem Schema beginnend mit leise-ruhig-aktionsarm und endend mit laut-wild-sich überschlagend aufgebaut waren, manchmal mit überraschenden Abbrüchen und Wiederaufschwüngen durchsetzt. Das ganze kam frontal auf die Zuhörer zu und wirkte m. E. als Klangereignis dann am besten, wenn man die Augen schloß und seine Fantasie in den und mit den Klängen spazieren gehen ließ: dann war eine richtige Filmmusik zu den eigenen Gedanken zu hören, von der Schilderung einer lieblich-unheimlichen Naturlandschaft bis zum Ablauf eines Gruselschockers waren alle Assoziationen - und bestimmt noch viel mehr - möglich. Beim Abtauchen in das eigene Innere hätte man dann aber die Beobachtung der Akteure auf der Bühne vernachlässigen müssen, die sich gegenseitig die Bälle, manchmal auch erst mal richtig selbstverliebt-egozentrisch, zuspielten. Sehr ermüdend war die ausschließliche Beschallung des Publikums nur aus einer Richtung. Mit einer Rundumbeschallungstechnik hätten die elektronische Klangeffekte und -ereignisse noch viel besser gewirkt. Insgesamt waren nach sechzig Minuten reiner Spielzeit die Farbpalette der Klänge und die Qualität der Abläufe restlos ausgereizt und in weiser Selbstbeschränkung beendete das Trio sein Improvisationshappening. Viel Beifall eines zahlenmäßig kleinen, aber kenntnisreichen Publikums.

Christian Nees