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 Der Verband für Musikberufe

Gutfleisch - Kirpal Konzert

Konzert vom: 
02.03.2007

Das unscheinbar als Duo-Abend betitelte Konzert des Augsburger Tonkünstlervereins mit dem Violoncellisten Johannes Gutfleisch und dem Pianisten Andreas Kirpal erwies sich eigentlich als veritable Einführung in aktuelle Cellosonaten russischer Provenienz. Denn mit Edison Denisov (1929-1996), Rodion Schtschedrin (geb. 1932) und Dmitrij Romanov (geb. 1982) standen die Werke dreier Komponisten auf dem Programm, die alle in den „Westen“ ausgewandert sind, deren russische Herkunft aber doch unschwer in der Art ihrer Werke zu hören ist. Lediglich der Augsburger Komponist Richard Heller „störte“ in dieser Runde mit seinem Diptychon für Cello und Klavier aus dem Jahre 2000. Wie schon der Titel aussagt, geht es um zwei Pole, zwei gegensätzliche Positionen, die man auch als Dialog oder Streit in Töne gefaßt hören konnte. Das Duo verstand es sehr plastisch, diese zweipolig angelegten Momente in der Komposition darzustellen. Interessant war, daß Heller sehr viele verschiedene ungewöhnliche Spielweise den Musikern abverlangt, viel weitreichender als die nachfolgenden Komponisten. Diese modernen Klangverfremdungen realisierten die Instrumentalisten sehr beeindruckend wie auch die ganze das Stück durchziehende Dramatik und Expressivität. Alle Register der üblichen „Tonerzeugung“ waren dann bei den anderen Stücken des Programms verlangt, also in dieser Hinsicht traditioneller als Heller, aber nicht weniger dankbar für die Künstler. Wenn man den Versuch machen müßte, Gemeinsamkeiten der „russischen“ Violoncellosonaten zu beschreiben, dann könnte man mit aller Vorsicht sagen, daß es sich durchweg um Werke handelt, die an klassischen Mustern ihres Genres orientiert sind, am russischen Tonfall, am großen, „bedeutenden“ Ausdruck und daß es sich durchweg um eine sehr gemäßigte Moderne handelt trotz vielfach komplizierter kompositorischer Anlage. Denisovs zweisätzige Sonate hat eine Recitativo überschriebene langsame Einleitung, die unmittelbar in eine Toccata – das war der einzige schnelle Satz des Konzertes – übergeht. Gutfleisch und Kirpal dialogisierten im Recitativ mit genau ausgehörten Klängen und Lautstärken und steuerten virtuos durch die komplizierte Rhythmik der Toccata. Fast wie ein romantisches Stück wirkt Schtschedrins dreisätzige Sonate aus dem Jahr 1996. Das Duo stürzte sich dankbar auf die vielen Stellen, die Gelegenheit boten, schöne Klangfarben zu produzieren, etwa den zart-elegischen Anfang im ersten Satz, der im höchsten Flageolet des Cellos endet oder die virtuos und locker fließende Läufe des Cellisten im Ravelartigen Blues-Foxtrott (?) des zweiten Satzes oder gar die apart vom Klavier begleiteten süßen Kantilenen des Schlußsatzes. Romanovs erst drei Jahre altes Werk wirkte in diesem Programm als das ernsteste, „schwerste“, das mit dem größten Anspruch auf Ausdruck. Vier Sätze waren zu gestalten, die sehr abwechslungsreichen Momente der Komposition konnten die beiden Musiker überlegen darstellen. Die Zuhörer lauschten gebannt z. B. den raffiniert-vertrackten Rhythmen im dritten Satz, die zunächst vom Cello allein, dann vom Klavier realisiert wurden, bis ein immer wieder unterbrochener Marsch sich herauskristallisierte. Mit einem stahlharten, hammerartig gespielten Rhythmus begann auch der letzte Satz, den der Cellist mit ebensolchen knalligen pizzicati fortsetzte. Durch wilde Nacht kämpfte man sich am Schluß ins Licht: Gutfleischs zarte, weiche, vibratolose Doppelgriffe, ebenso zart begleitet vom Klavier symbolisierten die endlich erreichte friedliche Idylle.

Christian Nees