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 Der Verband für Musikberufe

Harald Bschorr, Christian Reuter

Zug-Verbindungen
Posaune am Zug
Konzert vom: 
17.02.2014

Die Besetzung mit Posaune und Klavier war ungewöhnlich, das Programm überraschend abwechslungsreich, vielseitig und geprägt von gut klingenden Dissonanzen, Neutönendem, von Romantizismen und Eklektizismen, vor allem aber von viel Jazz. "Zug-Verbindungen" hieß doppeldeutig das Konzert des Augsburger Tonkünstlerverbandes am 17. Februar im Konzertsaal des Augsburger Leopold-Mozart-Zentrums mit Harald Bschorr, Solo-Posaunist der Staatsphilharmonie Nürnberg und Christian Reuter, Pianist und Kapellmeister am Nürnberger Staatstheater. Denn Bschorr verband mit seiner Posaune und ihrem Zug ein anspruchsvoll zu spielendes Repertoire, geschaffen fast ausschließlich von lebenden Komponisten, der 60-jährige Komponist Heinrich Hartl war sogar anwesend. Seine beiden gespielten Werke für Posaune solo hat er Harald Bschorr gewidmet. "Orientalische Metamorphosen im Zeitalter der Globalisierung op. 119" legten arabische Schnörkel in die Kantilene, setzten sich dann in Bewegung, entwickelten populärmusikalische Anklänge vor dem Diminuendo. "Erwartung" oder "Die andere Seite" op. 168 griff titelgemäß zur Zweistimmigkeit, zu Flatterklang und Pitch-Effekt. Besonders Werner Heiders (*1930) 5-teiliges, expressives, eruptiv-jazzendes Memorial für Duke Ellington verlangte Bschorr eine eindrucksvolle, auch unkonventionelle Spiel- und Klangbandbreite ab. Zur Verfügung hatte er ein Sortiment an Dämpfern, jeder produzierte eine andere Farbe, evozierte einen anderen Charakter. Das bravouröse Changieren zwischen dem swingenden Duktus und dem "ernsten" Genre, die brillant gespielte dynamische Vielfalt, das enorme Können Bschorrs begeisterte. Gleiches galt für Christian Reuter, der seinen horrenden Klavierpart beeindruckend überlegen und makellos meisterte, dazu perfekt begleitete. Wilhelm Domröses "Sakura – Japanische Impressionen" verlangte Klangmalereien mit Asien-Klischees, pompöse Wucht, irritierenden Reibungen. Waldram Hollfelders (*1924) uraufgeführtes, rhythmisch pointiertes "Concerto für Posaune und Klavier" (2011) in drei Sätzen liebte die grellen Dissonanzen, Jan Koetsiers (1911 – 2006)"Concertino" op. 91 (1982) mit klassischen Reverenzen, das eine Trauermarsch-"Elegia" im Andante strasciato "in memoriam Duke Ellington" beinhaltete, pulste im Kopfsatz ebenfalls mitreißend synkopierend und Wolfgang Wagenhäusers (*1953) Highlight "Cocktail", ein schwungvolles und spritziges Gershwin-Medley, war der passende Abschluss. Die Zuschauer – überwiegend Fachpublikum – klatschten begeistert.

Stephanie Knauer