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 Der Verband für Musikberufe

INDEX 4 PERCUSSION QUARTETT

Percussion Klangwelten
visuelle und instrumentale Vielfalt
Konzert vom: 
19.03.2016

Von Christian Z. Müller

Benötigt ein Streichquartett nur wenige Quadratmeter, so ist bei einem Schlagzeug-Quartett in der Regel die ganze Bühne voller Instrumente. So auch bei der Augsburger Aufführung von INDEX 4 Percussion Quartett unter dem Motto „Percussion Klangwelten – visuelle und instrumentale Vielfältigkeit“ im Theater des „Kulturhaus Abraxas“, am 19. März.

„Vielfältigkeit“ wurde groß geschrieben, nicht nur im Programmblatt (übrigens im für den TKVA sehr ansprechend neu gestalteten Design von Martina Vodermayer) sondern explizit in der Präsentation der „Instrumente“.

Ausgehend vom eher gängigen, „klassischen“ Instrumentarium, wie Vibraphon, Marimbaphon, Drum-Set, Tomtoms und Pauke haben die vier Musiker Christopher Fellinger, Stefan Gimpel, Leander Kaiser und Yuko Saito einen ganzen Kosmos an exotischen Instrumenten mitgebracht, wobei anzumerken ist, dass einige davon längst die bürgerliche Hausmusik bereichern. Jedenfalls ist für Schlagzeuger Globalisierung Standard, während beispielsweise Sitar, Sho oder Banjo in der mitteleuropäischen Musik und selbst in der Neuen Musik noch eher selten anzutreffen sind. Mit Agogo, Aquadrum, Cajón, Darabukka, Kalimba, Ocean Drum, Tamtam, Udu, Water Drum reisen wir also virtuell in 80 Minuten um die Welt und erleben einen Klangfarbenreichtum, der mit den gängigen Streich- und Blasinstrumenten nicht entfernt erreichbar ist. Aber dafür haben wir ja das Fach Schlagzeug, und den/die Schlagzeuger*in, von denen „selbstverständlich“ erwartet wird, dass sie alles spielen, was neben den regulären symphonischen Instrumenten an Klängen verlangt wird...

Und das hört bei der Exotik noch lange nicht auf. Da finden sich außergewöhnliche Weiterentwicklungen wie etwa das kreischende Spiral Trash Becken, die donnernde Spring Drum oder die inzwischen häufiger anzutreffenden Crotales. Da werden Dinge aller Art zweckentfremdet und zu Musikinstrumenten umfunktioniert, wie Blech-Mülleimer, Kochtöpfe, aufeinander abgestimmte Blumentöpfe und ein rotes 10-Liter Ölfässchen. Sind die Klänge dieser „Instrumente“, bestehend aus Holz, Metall, Stein und Fell schon spektral weit aufgefächert, werden sie bei Bedarf auch noch elektrisch verstärkt, wie die Aquadrum und die Udu. Abgerundet wird das Klanguniversum durch Spezialeffekte wie elektronisches Ostinato-Echo oder eingespielte Samples.

Der Vielfalt der Klänge entspricht die der Formen und Farben der Instrumente. Dass irgendwann jemand - und es war im letzten Jahrhundert insbesondere Mauricio Kagel mit dem „Instrumentalen Theater“ - erkennen musste, dass das Auge unbedingt mit“hört“, erschließt sich auch durch die bizarren und komischen Formen all der Objekte, die da tönen. Sichtbar und ein wesentlicher Teil der Musik ist zudem die, wenn auch rhythmisch eher gängige, choreographisch dafür ausgeklügelte Performance der Musiker. Schon die Intrada zum Stück „X-Fly Butterfly“ (Komposition Yuko Saito/ Maurizio Saccomanno) war eine Bewegungsstudie für Solisten mit Fußpedal, die „Multibin Union“ (Leander Kaiser) eine an die Rhythmus-Akrobaten von „Stomp“ erinnernde faszinierende Schwarzlicht-Studie auf den erwähnten Mülleimern. Die Komposition „Ceci n’est pas une balle“ für Body Percussion Pantomime (Alexandre Esperet) zeigte begeisternd, welche großen Schnittmengen das Schlagzeugspiel bzw. die Rhythmik mit dem Experimental-Tanz haben kann.

Die „visuelle und instrumentale Vielfältigkeit“ multiplizierten die Musiker, die fast alle eigene Kompositionen beitrugen, mit einiger Programmatik, wie etwa mit dem sound-word-Titel „Tandango Dongo“ oder dem ominösen „Ubik 440“ (beide Christopher Fellinger). Letzteres bezieht sich wahrscheinlich auf das gleichnamige Buch des Science-Fiction-Autors Philip K. Dick, die Ergänzung „440“ möglicherweise auf das dem Schlagzeuger Gene Krupa gewidmete Trommelstück der Gruppe Apollo 440. Wesentlich ist aber, dass das Werk gemäß Ansage des Komponisten eine Reminiszenz an die japanische Taiko-Drum-Kultur ist. Kurios war zudem die Co-Ansage der Musikerin Yuko Saito auf japanisch, die damit zeigte, wie perkussiv schon allein ihre Muttersprache sein kann.

In Summe gesehen war Wasser sicher ein zentrales Element des Abends. Realiter in Form der Water Drum, klanglich mit der Aquadrum bei „Extraterrestrial Topfactory“, welches aber auch mit dem ur-irdischen Material Ton der Blumentöpfe spielt, und schließlich programmatisch mit der „Aquanautic Voyage“, die anfänglich in die Tiefen des Meeres tauchte, aber zusehends per Ocean Drum und rhythmischen Marimba-Klängen eher bei der Beach Party strandete. „The Castle Geyser“, komponiert wie die vorigen beiden Werke aber diesmal solistisch intoniert von Leander Kaiser, versucht, dem Spannungsaufbau und der Druckentladung eines bekannten amerikanischen Geysirs nachzuspüren, was Kaiser sowohl bildlich als auch technisch gelang.

Mit acht Stücken war der Abend gut ausgefüllt, und wurde nach (rhythmischem) Applaus mit einer Zugabe auf vier Cajóns mit viel Zustimmung belohnt.