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 Der Verband für Musikberufe

INNERE BEZÜGE

"Hier schleudern die Tasten Blitze"
Stephanie Knauers moderner Klavierabend beim Tonkünstlerverband
Konzert vom: 
24.11.2017

Von Manfred Engelhardt

Im Konzert des Tonkünstlerverbandes demonstriert Stephanie Knauer, wie unterschiedlich neue Klaviermusik klingen kann. Die Augsburgerin, die sich als vielseitige Musikerin einen Namen gemacht hat, führte im Saal des Leopold-Mozart-Zentrums vor, dass zeitgenössische Komponisten aus den Tasten mit Expression und Konstruktion eine breite Klangpalette entfalten können.    

Aus „Les Anges de Chagall“ des Norwegers Kjell Mork Karlsen (*1947) hört man im blitzenden Tastengewitter wie in ruhig dämmernden Klangnischen  förmlich die Engel des Malers im Chagall-Museum Nizza ihre biblischen Geschichten erzählen - ein Wechselspiel aus Akkorden und linearen Spuren. Auch „Pensieri di Cristallo“ von Daniele Gasparini  (*1975) lebt vom Kontrast „kristallin“ funkelnder Klangobjekte und sanftem Glanz. Ein Unikum des legendären John Cage (1912 - 1992) amüsierte das Publikum aufs Beste. Seine Suite für Toy Piano, die Stephanie Knauer auch auf einem solchen  Kinderklavier exerzierte, verbreitet mit ihrem skurrilen  Geklingel und Anschlags-Geknister eine ebenso spöttische wie auch manchmal sogar unheimliche Clowns-Aura .

„Les Tombeaux de Ravels et Satie“ des Münchners Cornelius Hirsch (*1954) scheinen die beiden großen Franzosen  unter einem gemeinsamen Grabmal  (Tombeau) vereinen zu wollen. Der Titel rührt von Ravels „Le Tombeau de Couperin“ her und Satie, der rätselhaft-bizarre Minimalist, gibt mit seiner bekanntesten „Gymnopédie“ den elegisch schwingenden,  harmonisch-gestisch changierenden Rahmen vor - eine chamäleonhaft sich verändernde Huldigung an den langsamen Dreiertakt – valse triste modern.

Aus härterem „Holz geschnitzt“  ist „Sechzig“ von Karl F. Gerber (*1954), dessen musikalische Zahlenspiele oft zu stählernen Repetitionen und Motorik-Mustern führen. Der Satz  „Träumen?“ aus den „5 Minaturen“ von Hans-Michael Rummler (*1946) beginnt sehr soft, zelebriert zart zitternde musikalische Berührungen, ehe alles in einem  galoppierenden Tornado endet. Mit eine Improvisation zwischen Tango nuevo, Blues, Ragtime beendete Stephanie Knauer ihr Konzert. Wie sie mit brillant geschliffener Technik, explosivem Ausdrucksumfang und feinem Laufwerk dieses Avantgarde-Tableau darbot, animierte das Publikum - zu Recht  - zu beeindrucktem Applaus.