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 Der Verband für Musikberufe

Iris Lichtinger (Blockflöten) und Franz Halasz (Gitarre) Konzert

Flöte - Gitarre
Konzert vom: 
09.02.2008

Im Augsburger Diözesanmuseum hatte sich eine stattliche Zahl von Interessenten an moderner Blockflöten- und Gitarrenmusik eingefunden, um der Flötistin Iris Lichtinger und dem Gitarristen Franz Halász  zu lauschen. Als Raum für Konzerte hat der Ort Vor- und Nachteile: bei einer so großen Zuhörerzahl wie dieses Mal haben die letzten Reihen mangels Podium nur noch einen Höreindruck und keine Sicht mehr auf die Musizierenden. Das fördert zwar die Konzentration auf das Hören, schmälert aber wegen der unvermeidlichen visuellen Askese den Gesamteindruck der Musik. Und außerdem ist ein immerwährendes Grundrauschen der Heizung und Entlüftung nicht zu überhören. Andrerseits ist die Akustik dieses Raumes überwältigend, so dass der Tonkünstlerverein sehr recht tat, dem Duo mit dieser aparten Besetzung diesen Raum anzubieten. Beide Künstler stellten sich mit auch mit Solostücken vor. Die sehr erfolgreiche Augsburger Universitätsdozentin Lichtinger präsentierte sich solo mit einem Stück des Mexikaners Mario Lavista: „Ofrenda“ für Tenorblockflöte aus dem Jahre 1986, eine Art Denkmal für einen verstorbenen Freund des Komponisten. Mit großem Einfühlungsvermögen gestaltete sie scheinbar völlig frei den Klagegesang und entlockte der Flöte die unterschiedlichsten, interessantesten Klangfarben. Im Verlaufe des Stückes wurde „Ofrenda“ immer mehr zum Lied ohne Worte, eine Meditation über die Vergänglichkeit des Lebens. Und so war man gar nicht mehr überrascht, als plötzlich gegen Ende Lichtingers klare Stimme quasi als zweites Instrument hinzukam und diese Meditation ganz nach Art eines Organums ausklang. Franz Halász, Professor an der Musikhochschule in Nürnberg, spielte (im übrigen mit leichter tontechnisches Verstärkung seiner Gitarre) die Gitarrensonate op. 47 von Alberto Ginastera, nach dreißig Jahren mittlerweile ein Klassiker seines Genres. Das nach Art einer barocken Sonata da chiesa komponierte Werk, gespickt mit technischen Höchstanforderungen für die rechte und auch die linke Hand des Spielers, machte Spaß, den Zuhörern und wohl auch dem Interpreten. Halász stand natürlich völlig über der Sache und nützte die vielen dankbaren Möglichkeiten des Stücks für die Gestaltung vieler Höhepunkte, ob dass das dramatische Rezitativ des ersten Satzes, die Rasanz des Scherzos, die Wärme und Schlichtheit des Canto rapsodico oder der rhythmische Schwung des Finales war, wo man meinen konnte, eine ganze Percussionsgruppe säße da vorne. Dem Duo gelang sehr überzeugend eine Auswahl aus den „Travestimenti“ für Blockflöte und Gitarre des komponierenden italienischen Gitarristen Nuccio d’Angelo. Auch hier spürten die beiden den  strukturellen Differenzierungen des Satzes bis in die kleinsten Verästelungen nach, was ständig zu überraschenden Klangkombinationen führte, zumal hier auch die Gitarre effektsicher bis hin zur Geräuscheerzeugung eingesetzt wird.  Den Abschluß dieses Horizonte eröffnenden Abends bildete wunderbare Musik zum Entspannen, zum Zurücklehnen und Genießen: Lichtinger und Halász spielten einige der „Mountain Songs“ des Amerikaners Robert Beaser, und es war eine wahre Freude, die beiden spielen zu hören und mitzubekommen, wie virtuos sie diesen raffiniert-naiven Edel-Folk zelebrierten. Riesiger Beifall war ihnen sicher.

Christian Nees