logo_tkva

dtkv logo

 Der Verband für Musikberufe

ISABELLA SELDER

Interessante Werke der modernen Gitarrenliteratur
beim Tonkünstlerverband Augsburg-Schwaben
Konzert vom: 
03.02.2017

Von Ute Schmid-Holzmann. Unter dem Motto „Contemporary Music meets Bach“ fand im Mozarthaus ein weiteres Konzert des TKVAs statt, indem junge Mitglieder vorgestellt werden. Die  Gitarristin Isabella Selder, Preisträgerin zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe und Masterstudentin am Mozarteum in Salzburg begann ihr Recital im vollbesetzten Saal mit dem 1996 entstandenen „Hika“ von Leo Brouwer. In der als Trauergesang konzipierten Homage an Tore Takemitsu  werden  Zitate aus Werken Brouwers mit denen Takemitsus verbunden,  dazwischen entspannende und vielsagende Stille. In meditativer Manier ging es  weiter mit „Equinox“ (was so viel bedeutet wie Tag- und Nachtgleiche und an ein gleichnamiges Bild des katalanischen Malers Joan Miro erinnert) indem der bereits oben erwähnte Takemitsu selbst zu Wort kommt  und Licht und Schatten klanglich verarbeitet. Es folgte die zweite Cellosuite in einer Transkription für Gitarre durch die Interpretin. Das Prelude – wie in der Barockzeit üblich – glich einer auskomponierten Improvisation, die  mit weichem vollen Ton klangschön dargeboten wurde. Delikate Verzierungen waren zu hören. In der Folge stellte sich  allerdings die Frage, ob der im Vergleich zum Cello schnell verklingende Gitarrenton geeignet ist, das Werk in adäquater Weise zum Klingen zu bringen, zumal lange Cantilenen auf dem Cello ausdrucksstärker interpretiert werden können.  Nach der Pause bot die Gitarristin gekonnt 2 Estudis des katalanischen Komponisten Feliu Gasull I Altisent, deren Nähe zu Heitor Villa-Lobos berühmten Etüden  offensichtlich wurde. Das war besonders  im  zweiten Stück zu erkennen, das mit Bindungen  und Akkordsequenzen sehr temperamentvoll vorgetragen wurde. Hans Werner Henzes „Drei Tentos“ sind Teile aus der „Kammermusik 1958“, beziehen sich auf ein Hölderlingedicht und gehören zum Standardrepertoire der Gitarrenmusik des 20. Jahrhunderts genauso wie Benjamin Brittens „Nocturnal“, das den Abschluss des gelungenen Abends darstellte. John Dowlands „Come heavy sleep“ bildet die Grundlage für mehrere Variationen Brittens , die den Schlaf mal meditativ und träumerisch, mal alptraumhaft und todesähnlich skizzieren. Kurze Motive des Madrigals – Irrlichtern gleich -  finden sich in allen Variationen wieder, die mit fortschreitender Komposition  intensiver zu Tage treten,  sich schließlich ungemein verdichten und in  den wohlklingenden und geordneten Harmonien des Dowlandschen Renaissance-Liedes münden. Der beeindruckende Abend schloss mit zwei tänzerischen Zugaben des Mexikaners Manuel Maria Ponce.