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 Der Verband für Musikberufe

Jane Berger, Felix Seiffert, Stefan Schulzki

UNBEHAUSTE RÄUME
TKV Augsburg: Reiches Spektrum der Kammer-Moderne
Konzert vom: 
18.10.2013

Die Moderne zeigt beachtliche Gesichter: Hier erfindet sie mit  großem Elan  Traditionen neu, dort reißt sie radikal, Neuland betretend, alle Brücken hinter sich ab. Die Vielfalt war groß in diesem Kammerkonzert im LMZ-Saal, breitere Öffentlichkeit war hergestellt, denn BR München  schnitt das Programm mit, nicht handverlesen war das Publikum.

Im Focus stand das Klaviertrio: Stefan Schulzki macht in seinem  Opus (2001/2013)  „tabula rasa“, die Tonalität wird hinweggefegt, Takt und Metrum changieren permanent, bizarr die Klangkontraste zwischen den Glissandi – und Flöteneffekten der Streicher und barbarischer Steinway-Klanghärte.  Musik schien aus dem Nichts zu entstehen, sich exzessiv zu verdichten, grell zu detonieren: blitzschnell oft dieser Weg vom Mikro- in den Makrokosmos. Kompromisslos fordert  Schulzki  ebenso den Interpreten wie den Hörer: Jane Berger(Violine), Felix Seiffert (Cello) und der Komponist am Flügel fanden aus scheinbarer Isolation zu präziser Geschlossenheit: Annäherung und Abstoßung zugleich – schwer zu meistern diese oft brüske Moderne. Und dennoch steckte diese Interpretation  voll zündender Brisanz: Bei aller Zerrissenheit zeichnete sich der dreiteilige Aufbau ab, schlug die Rubato-Mitte lyrische Streicher-Töne an: stahlblaue Klangfarben ohne Wärme. Gefühle wurden so nicht vermessen, rigoros kulminierten die Stimmen im finalen Reprisenteil, mächtig diese Sprengkraft.

Nicht so radikal wirkte John van Burens Ansatz im Trio „Les Nuages de Magritte“. Impressionistisches  Fluidum  führte hin zu diesen surrealen Wolkengebilden. Im Wechselspiel von Klangblöcken voll kantiger Rhythmen,  watteweich changierenden Melismen  wie  scherzohaften Arpeggien, die jeweils die drei Sätze prägten, zeitigte sich eine fließend bewegte Wolkenlandschaft, die Energien entfesselte, hart aufeinander stieß, zu flirrenden Bildern wie ätherischen Tremoli führte. Aus dem Flügel sollten  Klangwolken aufsteigen, von Cirruswolken bis zu schwerem Gewölk  formte sich ein bizarres Spektrum, vom Trio beherzt eingefangen.

Und wo blieb der humane Aspekt? Er war in David Wildes Cello-Lamento „The Cellist of Sarajevo“ in  ergreifender Totenklage  zu hören, gewidmet Vedran Smailovic, der aufrüttelnd  am Schauplatz eines Bomben-Massakers musizierte als Trauer, Appell und Mahnung zugleich. Yo-Yo Ma machte dieses Werk weltbekannt, Felix Seiffert lotete es hier – das Lamento stieg auf  aus  Cello-Schwärze - nuanciert aus. Melancholie ins Spiel brachten John Harbisons  „Four  Songs of Solitude“, die Jane Berger auf der Solo-Violine –oft zweistimmig - fein zeichnete, als hielte sie einsame Zwiesprache. Schon zu Beginn dieser unbehauste Klangraum: In Markus Schmitts “echoi“ kreierten Cello und Klavier eindringlich Echowelten, die sich vielfältig brachen, bizarr verzerrten, verstärkt widerhallten, oszillierten, sich wild aufschaukelten und zuletzt verhallten.

Ulrich Ostermeier