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 Der Verband für Musikberufe

Jeeyon Kim

Wir stellen vor!
Konzert vom: 
18.10.2014

Liebes Augsburger Musik-Publikum, Sie haben einmal mehr etwas verpasst! Da gibt es in der Innenstadt seit 2012 eine renommierte Adresse zu Kauf, Miete und Reparatur von Klavieren und Flügeln, nämlich das Pianohaus Hermes & Weger, was an sich nichts Außergewöhnliches ist, wenn nicht dessen Geschäftsführer seine Räumlichkeiten so gestalten hat lassen, dass sie sich für Hauskonzerte nicht nur eignen, sondern sogar so prädestiniert sind, dass man länger überlegen muss, wo es vergleichbare Locations gibt. „Hauskonzerte“ ist auch untertrieben, könnten doch ohne Weiteres auch Ensembles bis zu zehn Musikern auftreten. Und dabei ist sowohl Akustik, wie auch Gestaltung derart feinfühlig überlegt – rote Teppiche, ein kräftig rotviolettes abstraktes Triptychon an der Rückwand und dazu diverse Stehlampen drapiert – dass eine Wohlfühlatmosphäre entsteht,  während die ausgestellten Pianos den Konzerten scheinbar andächtig zuhören. Das eben leider etwas schmale Publikum kam jedoch auf diese angenehme Weise in den Genuss, der jungen koreanischen Cellistin Jeeyon Kim zu lauschen, bei zwei von vier Stücken begleitet an einem der besten Instrumente des Hauses von Ayumi Janke, ihrerseits mit japanischen Wurzeln.

Die Lebensdaten der Komponisten der von Jeeyon Kim vorgetragenen Werke aneinandergereiht, ergab nahezu das gesamte musikalische Spektrum vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Die Suite für Violoncello Nr. 4 in Es-Dur von J. S. Bach bildete den Anfang und wurde von der Cellistin in einem fast mathematischen Sinn genau vorgetragen. Die besonders trockene Klangfarbe ihres Instruments passte in diesem Werk gerade auch an den lebhafteren Stellen ausgesprochen gut.

Isang Yuns Werk Glissèes pour violoncelle seul war der Antipode des Programms. Das Gleiten, Rutschen ist wesentliches Thema des Werks in dem die verschiedensten Arten Glissandi zu erzeugen als kompositorische Ausgangsbasis herangezogen werden. Diese Technik, so ideal sie gerade für Streichinstrumente ist, wurde erst im 20. Jahrhundert so richtig ausgekostet. Doch wartet das Werk mit einer weiteren Überraschung auf: der zweite Teil wird mit Plektrum gespielt, so dass gitarrenähnliche Klänge entstehen. Im dritten Teil werden Töne erzeugt, dann mit dem Bogen, die erstaunlich nahe den Sinusklängen des elektroakustischen Instruments Theremin kommen.

Mit der Sonate in g-moll von Fryderyk Chopin und der Ungarischen Rhapsodie von David Popper zeigte Jeeyon Kim ihr Talent – und Ayumi Janke das ihre ! – gerade auch für technisch anspruchsvollste Werke. Ihre Mimik blieb dabei so beherrscht, dass man sich an manchen fröhlicheren Stellen doch ein gewisses Lächeln gewünscht hätte. Dies aber tat der Perfektion keinen Abbruch, und der trotz weniger Hände kräftige Applaus wurde schließlich doch mit einem Lächeln seitens der Interpretinnen quittiert. Fazit ist so auch, dass sich Veranstalter (der Tonkünstlerverband Augsburg-Schwaben e.V.) und der Gastgeber wünschen, dass solche musikalischen Sternstunden in Zukunft wieder mehr Gehör finden.

 

Christian Z. Müller