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 Der Verband für Musikberufe

Komponistenforum

Komfortables Komponistenforum
Konzert vom: 
22.11.2013

Gleich sechs Uraufführungen bot das Komponistenforum im November 2013, veranstaltet vom Tonkünstlerverband Augsburg – Schwaben e.V. Die insgesamt neun Werke wurden von Judith Müller, Flöte, Thomas Deisenhofer, Klarinette, Wolfgang Fritzen Fagott und den beiden Pianistinnen Elena Frank und Marianne Kamper intoniert. Eines der auffällig intensiv verwendeten kompositorischen Stilmittel war eine gewisse quirlige Beschwingtheit, etwa in den „Klang-Strukturen“ mit dem aufklärenden Untertitel Lust – Last von Ludger Sauer. Das aus zwei leider etwas kurzen Abschnitten bestehende Werk eröffnete den Abend und erlöste das Publikum sogleich von der dem Konzertsaal leider innewohnenden verstaubten Atmosphäre, indem es zeigte, wie das Wortspiel „Lust“/ “Last“ zum Klangspiel wird. „Lust“ durch anhaltend-notorischen Formenwechsel zwischen Klavier und Bläsern, „Last“ mittels einer geheimnisvollen Einfärbung der Klaviermelodie durch die Bläser. Direkt wesensverwandt sind die „Soni umidi“, die feuchtfröhlichen Töne von Dominik Uhrmacher für die gleiche Besetzung. Wo aber Sauer mehr die Klangfarbe bemühte, griff Uhrmacher zu komplexeren Rhythmen im 7/8 und 5/4-Takt bis hin zu nahezu funkjazzigen Sequenzen, abgesetzt mit zerfließenden wie „auf feuchtem Papier geschriebenen Noten“ (Uhrmacher). In Wolfgang Lackerschmids „Das Reich der Chasaren – Ouvertüre“ erinnerte man sich nochmals an die Stilistik Sauers und Uhrmachers, wobei der Gegensatz zu dezenten groovenden Synkopen durch orientalisch anmutende Harmonien, vorstellbar als gehobener Klangschatz des längst untergegangenen zentralasiatischen Volkes, erreicht wurde. Die Verbindung erreichte Lackerschmid durch Einsatz repetitiv angewandter Melodie-Rhythmus-Formen im Fagott. Ausgleichend auf die lockeren, das Programm rahmenden Werke wirkten John Van Burens Canzone für Flöte und Klavier und insbesondere Stefan Schulzkis Sperduto für Klarinette und Klavier. Als sperduto – verloren bestimmte Schulzki perfekt trocken angehauchten Klarinetten-Klänge im Gegensatz zum sphärisch pedal-unterstützten metallischen Klavier.

Was die drei erstgenannten Komponisten unterließen, nämlich der Einsatz irregulärer Spielweisen, nutzten dagegen Schulzki – Gaumen-Flatterzunge – und Van Buren – Inexaktes Anblasen der Flöte und Abdecken der Klaviersaiten, um ihren Stücken eine besondere Prägnanz zu verleihen. Zwischen den Polen rhythmisch-beschwingt und phlegmatisch-nachdenklich rangierten einerseits die Werke Michael Gablers und Karl Erhards. Vielleicht ihrem Alter geschuldet sind diese einer abstrakt-modern-neoklassischen Schule zuzuordnen, was bei Gablers Uraufführung die Satzbezeichnungen (Moderato – Vivace – Larghetto – Allegro moderato) zeigten, die eigentlich eher für Erhards Bläsertrio gepasst hätten, dessen „giocoso – mesto – mobile“ etwas in der Neutralität verharrte. Die beiden Solo-Klavierwerke Burleske des im letzten Jahr verstorbenen Christian Heimerl und Wandlung von Wolfram Gäfgen gehören andererseits wiederum mehr der sanguinischen Fraktion des Programms an: Das „Burleske“ also Spaßige vermittelte sich in einer galoppierenden Attacke, gezäumt durch verhaltene Abschnitte. Gäfgens Wandlung mutete zunächst sehr tänzerisch an, und könnte möglicherweise tatsächlich als Ballettmusik fungieren, lies aber zum Schluss hin die Herzfrequenz enorm steigen, als Marianne Kamper den Flügel zum Branden und Beben brachte.

Es braucht es nicht immer den fulminanten Knall, den Skandal. Es ist das, was die Musik von der Bildenden Kunst unterscheidet: Musik hat neben dem Auftrag der Welterklärung auch den der Rekreation, Besinnung, Zerstreuung, Ermutigung und unbedingt auch der hochwertigen Unterhaltung. Und all das war gut gelungen im grauen November Augsburg 2013.

Christian Z. Müller, Augsburg