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 Der Verband für Musikberufe

Komponistenforum

AUS DEM SCHATTEN INS LICHT
Komponistenforum des Augsburger Tonkünstlerverbandes
Konzert vom: 
11.11.2011

Dem Lärm geben sie ihre Musik nicht preis, wie er signifikant ist für die Neutöner des 20.Jahrhunderts: Nein, die fünf aufgeführten Augsburger Komponisten gehen moderater vor, Musik zu kreieren, wie sich im LMZ-Konzertsaal zeigte. Geräuschkulisse, Atonalität, Cluster sind ihre Sache nicht.

Aus dem Schatten des aktuellen Konzertlebens heraus traten diese Tonschöpfer in ein spezielles Licht, vom Klaviertrio Ardor beherzt be- und ausgeleuchtet. Ja, das Trio präsentierte höchst selten zu hörende Kammermusik, und musste sich folglich – "back to the roots"- größtenteils auf Noten-Manuskripte stützen. In Christian Heimerls Suite für Klaviertrio rückten Allemande, Sarabande, Gavotte und Menuett nahe: Das war frischer Wein in alten Schläuchen, blieben doch Form und Charakter der Tanzstilistik gewahrt, während die musikalische Botschaft collagenartig gegen den Strich gebürstet war. So geriet Haimerl nicht in "Harmoniefallen", sondern präferierte verquere Vexierspiele, von "Ardor" spielerisch erfasst.

Musik als Kalkül und Konstrukt gewann dagegen in Helmut Bernerts zwei Sätzen des Klaviertrios Nr. 2 nahezu mathematische Stringenz. Ausgeklügelte Motivspiegelungen durchliefen gekonnt Violine, Cello und Klavier, prägten das Adagio zart und das Giocoso tänzerisch beschwingt aus, belebt von Taktwechsel, Dynamikprofil und feiner Verzahnung. Breit dimensioniert dagegen Ulrich Bruggners Duo für Violine und Cello, gespielt von den Rossel –Schwestern Angela und Ruth Maria. Mit großem Atem fingen sie Bruggners formale Eigenwilligkeiten auf und und konnten seine Stereotypien abfedern. In den Vordergrund rückten so polyphon laufende Spielfiguren, Streicher-Kantilene und tänzerische Momente.

Berno Scharpf profilierte Franz R. Miller, der sich viele Meriten erworben hat, dessen Solo-Stücke für Klavier markant gerieten. Die drei Walzer des Orff- Schülers wirbelten so nicht elegant auf pianistischem Parkett, sondern zielten pointiert ab auf Kontraste zwischen heftiger Klanggebärde und leichtem Schritt. Auch Arthur Piechler gab ein Heimspiel, prägte er doch in der Nachkriegszeit als Direktor des Konservatoriums das Augsburger Musikleben. Sein Klaviertrio op.64 gefiel durch formalen Schliff, eine Fülle geistreicher Einfälle und gewann, von Ardor fließend und geschmeidig gehalten, spätromantische Anmutung. Es überraschte, wie kurzlebig eigentlich viele Werke der Moderne sind, fortgerissen vom Strom der Zeit.

Ulrich Ostermeir