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 Der Verband für Musikberufe

KomponistenForum 2008 Konzert

Konzert vom: 
27.10.2008

Als Hommage an den Augsburger Komponisten, Organisten, Konservatoriumsdozenten und Kirchenmusiker Karl Erhard gestaltete sich das letzte Komponistenforum des Tonkünstlervereins Augsburg-Schwaben. Von sieben aufgeführten Werken waren drei aus der Feder des Jubilars, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiern konnte. Augsburgs neuer Kultur- und Sportreferent (!) Peter Grab stellte sich dem Tonkünstlerverein vor und gratulierte Erhard, indem er vor allem seine Vielseitigkeit als Komponist hervorhob, die er, Grab, schon damals bei der Zusammenarbeit für das städtische Brechtprojekt 1995 kennengelernt habe. Der Jubilar nahm erfreut und bewegt die Gratulation in Empfang und verfolgte anschließend gespannt die Aufführung seiner Werke. Die Bratscherin Daniela Döhler, der Klarinettist Thomas Deisenhofer und das Klavierduo Kaller/Kováč hatten sich zusammengetan, um in verschiedenen Kombinationen oder solo Stücke von Erhard, Stefan Schulzki, Fred M. Bauernsachs. Richard Heller und Dominik Uhrmacher zum Klingen zu bringen. Eine 1957 komponierte Sonate in D für Klavier zu vier Händen machte schon im Titel deutlich, daß Erhard nicht gleich von Anfang an als Zwölftöner begonnen hatte. Das dreisätzige, nicht schwerblütige Stück ist mit raffinierter spätromantischer Harmonik durchtränkt und reizte die Pianisten Stephan Kaller und Pavol Kováč vor allem im tranquillo dazu, ihr Instrument wunderschön singen zu lassen. Daniela Döhler und Kováč eröffneten mit Erhards Bratschensonate, entstanden vier Jahre später. Hier war unverkennbar bei der Harmonik und Rhythmik der große Paul Hindemith Pate gestanden. Döhler servierte mit großer Spielfreude und ebensolcher Energie dieses dankbare Werk. In der schnellen Fuge am Schluß präsentierte sie ihre virtuose Technik, und Erhard erwies sich trotz aller modernen Zwölfton-Harmonik als Meister des kompositorischen Handwerks. Stephan Kaller führte mit den Vier Etüden unter dem Titel „Rhythmen und Konturen“ Erhards drittes Werk dieses Abends auf. Mit sensiblem Einfühlungsvermögen spannte er die Bögen im Legato-Teil und vermittelte ein spannungsgeladenes „Adagio-Gefühl“, im Mobile überschriebenen Schlußstück raste er virtuos durch die mit höchsten Schwierigkeiten gespickte Stimme und blieb bei allen komplizierten Bewegungsabläufen locker und souverän. Mit „Sperduto“ (Verloren) hat der sehr erfolgreiche Augsburger Filmkomponist Stefan Schulzki ein Bravourstück für Klarinettisten geschrieben. Thomas Deisenhofer begleitet von Kaller übernahm die Rolle des Verlorenen, der zu Beginn einsam klagt (schöne Pianissimoklänge im höchsten Register) und zunehmend unwirsch wird, bis er schließlich wieder resigniert. Sehr interessant war es auch für das Publikum, wie Deisenhofer und Kaller die relativ vielen Momente der Stille in diesem Werk „vorspielten“. Alle anderen Werke des Programms hatten Divertimentocharakter, waren kurz, witzig, originell: Bauersachs’ Burleske op. 30 mit Volksliedanklängen animierten Döhler und Kováč, sich in die Bartoksche Motorik zu stürzen und wie zum Tanz Zwiefache aufzuspielen. Die „Drei Miniaturen“ für Klarinette von Heller präsentierten Deisenhofer und Kaller als scherzoartige Verbindung von witziger Motorik, komplizierter Rhythmik und sprudelnder Lebendigkeit. Das Konzert beendete eine veritable Uraufführung für die exquisite Besetzung Viola, Baßklarinette und vierhändig gespieltes Klavier überschrieben mit „Le Coucou est malade“. Dominik Uhrmacher gab den Hörern einen selbstironischen Rezeptionshinweis mit: dem viersätzigen Stück liege „die bekannte und in Musikschöpfungen aller Art stets beliebte Szene ‚Begegnung mit der Natur im Monat Mai’ zugrunde“. Nicht umsonst war wohl die französische Sprache von Uhrmacher schon im Titel gewählt worden, denn der Kuckuck, der über rhythmischen Feldern und rahmenden ostinati klagend schwebte, erinnerte mit seiner zwischendurch auch anklingenden clarté an das Frankreich Milhauds oder Francaix’. Klar, präzise, schwungvoll, effektvoll, elegant war auch die Interpretation der vier Künstler, die ein starkes und begeistertes Echo im Beifall des Publikums erzeugte.

Christian Nees