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 Der Verband für Musikberufe

MARKO HATLAK

Virtuoses Akkordeon
Stilvielfalt beim spektakulären Konzert des Slowenen in Augsburg
Konzert vom: 
17.06.2016

Von Stephan Kaller

Dieses Konzert des Augsburger Tonkünstlerverbandes dürfte auch noch die letzten Akkordeon - Skeptiker vom enormen Potential des Instruments überzeugt haben – denn was Marko Hatlak bei seinem Solo-Abend am 17. Juni  im vollbesetzten Konzertsaal des Leopold-Mozart-Zentrums der Universität Augsburg darbot, zeugte nicht nur vom faszinierenden Können dieses international erfolgreichen Musikers, sondern auch von der epochenübergreifenden Stilvielfalt, die auf dem Akkordeon realisierbar ist. Von Bach und Scarlatti über Tango und Balkanmusik bis hin zu zwei Uraufführungen von Werken der anwesenden Komponisten Richard Heller und Henrik Ajax erstreckte sich der bunte Bogen.

Frappierend, wie plastisch und polyphon durchstrukturiert Präludium und Fuge c-moll aus Bachs Wohltemperiertem Klavier (Bd.I) auf dem dafür ungewöhnlichen Instrument gelangen, wie filigran auch in Scarlattis Sonate d-moll die Sechzehntelketten sprudelten, wie feinfühlig Mozarts Adagio für Glasharmonika erklang.

Die beiden Uraufführungen des Abends konnten unterschiedlicher nicht sein.  Lineares und Bruchstückhaftes wechseln sich in Henrik Ajax‘  „Pieces, Scraps und Flows“ ab, Minimal- Phasen, gleitende Glissandi und sphärische Klänge gesellen sich dazu.  Richard Heller schrieb mit „Actus“ ein differenziert strukturiertes, Suiten-artiges Werk, das Marko Hatlak in seiner Moderation ob seiner Schwierigkeiten und Länge als große Herausforderung für sich bezeichnete. Der ästhetische Genuss der Heller’schen Musik erschließt sich für den Zuhörer besonders über das Wahrnehmen der bis ins Feinste ausgearbeiteten formalen und charakterlichen Proportionen, in denen kein Ton überflüssig wirkt.

War der erste Teil des Abends von Seriosität und Respekt gegenüber den Werken mit historisch verankerten oder neueren Formstrukturen bzw.  geprägt, tauchte Hatlak in der zweiten Hälfte in eine immer mehr gefangen nehmende Sinnlichkeit ein.  „Sven V“ des Japaners Toshio Hosokawa ist eine ruhige, entspannende und klangvolle Meditation über den Grundton E,  in  „Fantango“  des Finnen Jukka Tiensuu faszinierte die Verfremdung des zugrunde liegenden Tango durch teilweise krasse harmonische  Moderne. Und nun fing Hatlak an zu glühen: die Kompositionen „Taraf“ und „NY Tango“ des Franzosen Richard Galliano gerieten zu Feuerwerken an Virtuosität, mit Funken sprühenden türkisch/orientalischen Klängen. Ganz- und Zigeunertonleitern wirbelten über das Instrument - phasenweise von Hatlaks Stimme paraphrasiert - das der Künstler auch als Schlaginstrument einsetzte. Das Publikum, kaum noch in seiner Begeisterung zu bremsen, musste noch den Schluss mit Piazzollas berühmter Ballade Oblivion abwarten, bis es endlich mit tosendem Applaus  den Raum füllen durfte.  Zugaben in atemberaubendem Tempo und neue Akkordeon-Fans unter den vorherigen Skeptikern waren die Folge.