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 Der Verband für Musikberufe

Portraitkonzert Richard Heller

Konzert vom: 
07.04.2014

Anlässlich seines 60 . Geburtstags im Frühling 2014 widmete der Tonkünstlerverband Augsburg seinem langjährigen Vorsitzenden, dem Komponisten Richard Heller eine konzertante Retrospektive. Heller selbst nahm dies zum Anlass einer Dankesrede, bei welcher er auch bekanntgab, nach 21 Jahren nicht mehr als Vorsitzender kandidieren zu wollen, um sich wieder mehr auf die Musik konzentrieren zu können. Über sechzig Gäste feierten die Werkschau mit Stücken aus dem in fast 40 Jahren entstandenen reichen Repertoire.

Drei der aufgeführten Stücke entstanden noch während seines Studiums an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hellers Geburtsstadt Wien. Das „Klavierstück 1976“, das sein Entstehungsjahr im Namen trägt, ist auch gleich eines der bemerkenswertesten Werke. Es setzt sehr intensiv die Möglichkeiten des Pedals und von Flageolett-Tönen ein, eine Methode, die das sowieso schon orchestrale Klavierspektrum noch ins Unendliche, Sphärische erweitert. Der Interpret Stefan Schulzki, selbst ebenfalls Komponist, spürte den fragilen Klängen hochkonzentriert nach.

Fast parallel dazu entstanden die „3 Lieder nach Texten unbekannter Autoren für Sopran und Klavier“, wobei allenfalls die Herkunft der in Deutsch verfassten Gedichte bekannt ist, nämlich Spanien, China und Deutschland. Alle drei sprechen sie von der vergehenden und vergänglichen Zeit in melancholischem Duktus, so dass man meinen könnte, sie stammten alle aus derselben Feder. Dies war sicher auch der Anlass für Heller, sie in einer Komposition zusammen zu binden. Beatrice Ottmann konnte, begleitet durch Stefan Schulzki, das leichte Frösteln, das die Texte erzeugten („...morgen sterb’ ich..., ...Der Nordwind ist kalt..., ...die Nächte so dunkel...) durch ihre ausgeprägte Klangphonetik und ihre innere Ruhe noch verstärken.

Waren bei den 3 Liedern die Autoren unbekannt, so fehlten beim „Lied ohne Worte für Klavier solo“ (1978) die Texte gänzlich. Ganz selbstverständlich kann ein Lied auch eine instrumental Klangrede sein, kann die Musik, wie beim Fehlen des Gegenständlichen in der abstrakten Malerei, dennoch Emotionen, Gefühle, Atmosphären erzeugen und damit beweisen, dass l’Art pour l’art immer eine reflexive Basis, die ihres Schöpfers, besitzt. Stephanie Knauer hat das Lied mit großer Geste am Klavier „gesungen“.

Sehr kontrastierend dazu, obwohl nicht in direkter Folge, steht das „Essay für 2 Klaviere“ aus den Jahren 1995-96, das abermals eine ungewöhnliche Bezeichnung für ein Musikstück verwendet. Ein Essay ist eine Abhandlung, ein Traktat, ein sehr persönlicher Aufsatz. Und so wird dem Hörer, auf 2 Klavieren von Stefan Kaller und Stefan Schulzki mit Verve präsentiert, recht massiv die Meinung serviert. Ziemlich fulminant, rhythmisch martialisch und dabei polytonal angelegt, gebärdet sich diese „Abhandlung“, die bisweilen an die Maschinenmusik selbstspielender Pianolas erinnert.

Stark metrisch-rhythmisch orientiert wie der Essay ist auch der „Walzer (?)“ für Klavier solo von 1998, wobei das Fragezeichen für eine gewisse Dekonstruktion des Walzers steht, dessen erste 8 Takte im 4/4-Takt stehen, bis erstmals ein echter Walzer auftaucht, und sich auch im weiteren Verlauf immer wieder gerade Taktzahlen einschleichen, von Stephan Kaller lässig wienerisch und mit Ausrufezeichen kredenzt.

Die seltener zu hörende Altflöte war in 2 Stücken des Abends besetzt, wie beim Eingangsstück, den „3 Miniaturen für Altflöte und Klavier“ von 1981/82, revidiert 1988. Tatsächlich wirkten die kurzen Stückchen wie kleine Stelen oder Edelstein-Broschen, von Juliane Mack und Stephanie Knauer frisch drapiert.

Das zweite ähnlich besetzte Werk, die „7 Arabesken für 2 Flöten und Klavier“, erfordert den gelegentlichen Wechsel der beiden Flötistinnen Juliane Mack und Judith Müller, jeweils von der C-Flöte auf Altflöte bzw. Pikkolo-Flöte. Auch wenn der Name eigentlich irreführend ist und das „Arabeske“ sich insbesondere auf die freie, aber stark verzierte Form bezieht, sind doch orientalische, modale Harmonien zu erkennen, die durch Flatterzunge und kräftige Klappenschläge noch weiter verfärbt werden. Die beiden Flöten ergänzen sich zu einem voluminösen Instrument, das so dem sonoren Klavier gut Paroli bieten kann, welches jedoch bisweilen ganz zart mit im Innenklavier gespielten glissierenden Klangwolken den Flötenklängen schmeichelt.

Das einzige Stück des Abends ohne Klavier, die „2 Impromptus für Gitarre solo“, aber auch eines der neuesten Werke von Richard Heller gab Stefan Volpp zum Besten. Mit diesem Werk beweist Heller einmal mehr, wie gut er die Spieltechniken und Ausdrucksmöglichkeiten der Instrumente kennt, für die er schreibt, und das sind in seinem Werk nicht wenige. Ein Blick in seine Vita zeigt, dass der Konzertabend im Leopold-Mozart-Zentrum nur einen winziger Ausschnitt darstellt, was den Wunsch nährt, auch seine Orchesterwerke bald einmal wieder zu Gehör zu bekommen.

Christian Z. Müller