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 Der Verband für Musikberufe

Raguel Ott und Marcelo Amaral Konzert

Konzert vom: 
25.10.2008

Der Tonkünstlerverein Augsburg-Schwaben tut etwas für die musikalische Nachwuchsförderung: der junge Augsburger Oboist Raguel Ott hat bereits mehrere Preise errungen wie z. B. den 1. Preis im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ für sein Instrument oder den Kunstförderpreis der Stadt Gersthofen. Derzeit ist er Student am Salzburger Mozarteum bei Prof. Passin und erhielt durch den TKV Gelegenheit, sich mit seinem Klavierpartner Marcelo Amaral in der Augsburger Galeria Cervino vorzustellen. Ott hatte neben zwei romantischen Werken von Schumann (Adagio und Allegro) und Kalliwoda (Morceau de Salon) vor allem Stücke des 20. Jahrhunderts von Saint-Saens, Bozza, Britten (Temporal Variations) und Poulenc ausgewählt. Das Programm hatte in Zusammenstellung, Umfang und Ausführung Meisterklassenniveau. Ott verfügt über einen großen und vollen, schönen und edlen Ton in allen Lagen seines Instruments, dazu über eine ungeheure Kraft und Elastizität, virtuose Fingerfertigkeit und langen Atem. Außerdem zeichnen ihn eine große musikalische Sensibilität und Klangphantasie aus. Die Darbietung der Werke erhält dadurch eine große musikalische Variabilität und Überzeugungskraft. Besonders fielen die schönen melancholischen Kantilenen bei Bozzas Fantaisie pastorale oder Schumanns Adagio auf. Ideal in Tongebung und Gestaltung waren auch die vielen bukolischen Stellen bei Bozza, in Poulencs Élégie oder dem zweiten Satz von Saints-Saens Sonate, bei denen Ott die ganze schmeichelnde Lieblichkeit und Weichheit seines Oboentons zeigte. Daß er auch das Gegenteil, das Schroffe, Schrille und Groteske beherrscht, war v. a. bei Brittens Variationen und den Scherzo-Passagen bei Bozza und Poulencs Sonate zu hören. Die zahlreich erschienenen Zuhörer verfolgten gespannt die ständigen Wechsel und fließenden Übergänge der Ausdrucksarten, die Britten in sein großartiges Werk hineinkomponiert hat. Seine brilliante Fingerfertigkeit zeigte Ott bei rasanten und quirlig brodelnden Stellen in Schumanns Allegro, Saint-Saens’ letztem Sonatensatz und und vor allem dann im opernhaften Virtuosenreißer Kalliwodas. Kongenial begleitete Amaral am Piano, hielt sich sensibel zurück, wenn die Oboe das Sagen hatte, und trat selbstbewußt virtuos hervor zum gleichberechtigten kammermusikalischen Dialog, wenn echtes Konzertieren gefordert war. Nach Ravels Pièce en forme d’Habanera als Zugabe trat man beglückt von soviel jugendlichem Élan vital den Heimweg an.

Christian Nees