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 Der Verband für Musikberufe

Richard Resch, Tobias Truniger Konzert

Schöne "Schöne Müllerin"
Konzert vom: 
28.11.2009

Dem Nachwuchs eine Chance zu geben: das hat sich auch der Tonkünstlerverein Augsburg-Schwaben vorgenommen und stellt regelmäßig junge Künstler vor. Dieses Mal erhielt der junge Tenor Richard Resch die Gelegenheit, sich mit einem der großen Klassiker des Genres Lied, dem Zyklus „Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert nach Gedichten von Wilhelm Müller, vor einem zahlreichen Publikum zu beweisen. Resch, ein ehemaliger Regensburger Domspatz, studierte in Augsburg u. a. Gesang bei Prof. Hans-Joachim Beyer und anschließend bei Edda Sevenich und hat sich mit zahlreichen Kursen bei anderen Koryphäen des Lied- und Oratoriengesanges weitergebildet. Auch am Augsburger Theater und dem Münchner Prinzregententheater gastierte er bereits. Seine Konzerttätigkeit hat seine kräftige, bewegliche Stimme reifen lassen und ihr die nötige Kondition verschafft, den ganzen Zyklus der zwanzig Lieder ohne Unterbrechung durchzusingen. Es war eine sehr spannende Stunde Gesang, die Resch darbot, mit großer Konzentration und festen Zugriff auf das Publikum, das keine Gelegenheit bekam, abgelenkt, unaufmerksam, entspannt zu sein. Resch widmete sich mit überlegener Interpretationskunst und mühelos beherrschter Gesangstechnik den Schubertschen Kunstwerken, vermied allzu große Opernhaftigkeit im Ausdruck und hielt eine mittlere Linie ein im Singen, den Kompositionen und der Größe des Galerie-Cervino-Raumes angemessen. Gleichwohl hatte er jedes einzelne Lied genau auf seine expressiven Möglichkeiten hin analysiert. Aufgeregtheit, freudige Erregung, Zärtlichkeit, unterdrückte Gefühle, brennende Sehnsucht, Jubel, Eifersucht, Zorn, Resignation: all das stellte Resch mit großem Feingefühl für Stil, Nuancen und Klangfarben überzeugend, fesselnd dar. Viele prägnante Einzelheiten waren zu erleben, die sich hier alle gar nicht aufzählen lassen, etwa die Betonung der „Schwerheit“, der Steine in der vierten Strophe des Eingandsliedes, die wahnhafte Aufregung im Ausdruck beim Auftauchen des Nebenbuhlers, die Gequältheit der „Kehr-um“-Schreie, die depressive Zartheit im letzten Lied. Am Klavier begleitete gekonnt und vielleicht allzu routiniert Tobias Truniger, so daß die ganz große und völlig überzeugende Ensembleleistung leider ausblieb, was das begeistert Beifall klatschende Publikum aber wohl nicht zu stören schien.

Christian Nees