logo_tkva

dtkv logo

 Der Verband für Musikberufe

Schulzki/Ottmann

Romantik, Ironie und Elektronik
Der Tonkünstlerverband mit dem Abend „Sounds and Ballads II“
Konzert vom: 
16.03.2018

Von Manfred Engelhardt, Augsburg. Eine abenteuerliche musikalische Reise mit avantgardistischen Klängen und drastischen romantischen Reminiszenzen ereignete sich beim Augsburger Tonkünstlerverband. Mit Klavier, den technischen Mitteln von Synthesizer, Sampler, elektronischer Zuspielung, mit traditionellen vokalen Mitteln des Soprans sowie kunstvollen Vokalisen luden Stefan Schulzki und die Sängerin Beatrice Ottmann ein. Die feine Eleganz des Rokokosaals der Regierung von Schwaben verstärkte in ihrer Kontrastwirkung das schillernde Flair dieses von den beiden Künstlern lustvoll unternommenen Trips. Die erste Programmhälfte war der Interpretation komponierender Kollegen gewidmet, in der zweiten Abteilung präsentierte das Duo Schulzkis 2. Teil seines Zyklus mit ungewöhnlicher Liedschöpfungen.

„Ich was ein chint so wolgetan, virgo dum florebam“, aus der Sammlung der „Carmina burana“, einer Mischung aus mittelhochdeutschen und lateinischen Wendungen von Alexander Strauch (*1971), verlieh das Duo per Gesang und Synthesizer drastische Momente zwischen Geräusch und Antäuschung wohlgesetzter Liedgesten. Die Paraphrase „Frische Fahrt“ des Augsburgers Volker Nickel (*1970) isoliert die schwarzen, depressiven Seiten der Lyrik Eichendorffs mit Klavier und Stimme radikal vom schwärmerischen Gestus der Romantik. Cooles Blues- und Song-Aroma im neuen Jazz-Gewand bot „Stella By Starlight“ des großen Klassikers Victor Young (1900 - 1956). Ähnlich wie Volker Nickel kleidet der Münchner Johannes X. Schachtner (*1985) drei seiner (französischen) Lieder aus dem Mittelalter, „Fatraisies“, in teils bildkräftig verzerrte Miniaturen mit verdichtetem Klaviersatz und Stimme - zeitlos geltende Gefühlsmomente in einem köstlich-kunstvoll delirierenden Melodie/Motorik-Mix. Wie Erich S. Hermann (*1977) in seinen vier abgewandelten „How to say…“-Rondo-Teilen unter Einsatz von Rede, Gesang, Elektronik, Klavierzuspielung die Yoga- und Selbstverwirklichungsverrenkungen moderner hipper Live-Style-Menschen unterwandert, hatte fantasievolle sarkastische Qualitäten.

Und im zweiten Teil lockte Stefan Schulzki mit seiner kongenialen Partnerin Beatrice Ottmann in seinen acht Liedern „Du wirst dein Geheiminis sagen“ nach Texten von Unica Zürn, Daniel Graziadei und - wieder - Joseph Eichendorff in einen Strudel orgiastisch ausgeschleuderter, flackernder, wispernder, poetisch-irrlichternder, krass explodierender Klang-Stationen, mit allem was Klavier und Elektronik, Sampler und Stimme hergaben, einschließlich bunt changierender Lichtregie. Im Rokokosaal hatte das etwas von „Tanz der Vampire“ bis „Rock Horror-Show“. Herzlicher Beifall für das Duo.