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 Der Verband für Musikberufe

SOUNDS & BALLADS

Vom Geräusch zur Poesie
Ungewöhnliche „Sounds and Ballads“ mit Stimme, Elektronik und Klavier (Beatrice Ottmann und Stefan Schulzki)
Konzert vom: 
05.10.2015

Von Manfred Engelhardt

 

In der avantgardistischen Spur verlief das jüngste Konzert des Tonkünstlerverbands, mit Experimenten elektronischer Klangerzeugung  und Vokalkünsten. Zwei angesehene Augsburger auf diesem Gebiet gestalteten ein mutiges Programm: Sopranistin Beatrice Ottmannn und Stefan Schulzki, Pianist und Elektronik-Spezialist.

„Stördämpfung“ von Gerald Fiebig (*1973) schaukelt die Begegnung einer Stimme mit elektronischen Klangäußerungen und ungewöhnlich betätigtem Klavier zu einem Pas de deux  zwischen Anpassung und Abstoßung hoch - ein freches Stück nicht ohne Witz. „Minuscule“ von Emerge (Sascha Stadelmeier, *1977) bedient härtere Elektronik-Kaskaden, die der Fantasie nicht so viel Spielraum lassen. Die Miniaturen „shift 2 – songs and ballads“ für Stimme, Drumcomputer, Sampler und Klavier von Erich S. Hermann  beschäftigen sich reizvoll mit Wortsplittern dadaistischer Texte, parodieren Ordnungsprinzipien. Kontrastelemente zu den Elektronik-Gewittern waren Blues-Balladen der Jazz-Klassiker Thelonious Monk und Victor Young, von Ottmann/Schulzki  in „Reinform“ brillant dargeboten.

Stefan Schulzki präsentierte nach der Pause eine Uraufführung sowie bereits mit Erfolg aufgeführte Stücke seines Repertoires. „Schatten Rosen Schatten“ nach Ingeborg Bachmann spürt in der Elektronik und Beatrice Ottmanns biegsamer Stimme dieser dunklen Lyrik expressiv nach. Goethes „Erlkönig“  erhielt bei Schulzki, ohne elektronische Klaviermanipulation, einen farbig erzählenden Moritatencharakter. In  „Musik für Klavier und Elektronik“ spielt er mit den Reizen von Verfremdung und virtuosem Originalklavier. Ein Schulzki-Klassiker ist „Everything“, ein dramatisch-absurdes  Stimm-Theater über den Abgründen von „Gott, Sex, Tod, das Böse“. Mit einer fast im nazarenerhaften Orgelton schimmernden „Mondnacht“ nach Eichendorff verabschiedeten sich Schulzki /Ottmann unter begeistertem Beifall.