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 Der Verband für Musikberufe

Stefan Barcsay Konzert

Konzert vom: 
14.10.2007

Der Krumbacher Gitarrendozent Stefan Barcsay hat schon immer ein gutes Händchen bewiesen für die Auswahl von Orten, an denen sein doch eher leises Instrument am besten zur Geltung kommt. Nach diversen Augsburger Kirchen hatte er diesmal die St.-Leonhards-Kapelle der Fuggerei ausgesucht. Eine bereits sehr gut bewährte Idee ist auch die Zusammenarbeit mit dem Historiker Wallenta, der anstelle der Konzertpause ein lokal- und kunstgeschichtliches Portrait des jeweiligen Ortes darbietet. Das ganze hatte Barcsay mit „Mysterious Habitats. Geheimnisvolle Orte“ überschrieben, ein etwas seltsamer Titel, da das Konzert doch in die schon lange und sehr verdienstvoll bestehende Reihe „Die Fugger und die Musik“ aufgenommen war, die sich eben gerade der Öffnung und Zugänglichkeit von Kirchen und Schlössern des Fuggerschen Besitzes und eben nicht deren mystifizierender, privater Geheimhaltung widmet. Barcsay ist übrigens einer der Künstler, die schon am längsten in dieser Konzertreihe auftritt. Eine gewisse Berechtigung hatte die Überschrift dann vielleicht doch, weil diese Kapelle eigentlich ein aus den Trümmern des 2. Weltkrieges zusammengesuchtes und an anderem Ort wiedererrichtetes Bauwerk ist, das schon lange profaniert i. a. nur der Fuggerei als Veranstaltungsraum dient, wie Wallenta sehr anschaulich und informativ erklärte. Jedenfalls war der Raum für Barcsays Gitarrenklänge hervorragend geeignet, weil er trotz der Anwesenheit vieler Zuhörer immer noch leicht überakustisch war und die Töne nicht „verschluckte“. Den musikalischen Rahmen zog Barcsay mit der Komposition Mysterious Habitats von Dusan Bogdanović (1955), die dem Konzert den Namen gegeben hatte. Barcsay ließ die Melodie und ihre Begleitung gleichmäßig, volltönend klingen, ließ sein Instrument quasi einen Popsong singen; denn daran erinnerte das Stück mit seinen Wiederholungen und allenfalls leichten Variationen. Beim Klassiker Sor und dessen Caprice „Le Calme“ op. 50 beherrschte Barcsays Fingertechnik den polyphonen, anspruchsvollen Satz des Stückes wie immer perfekt, so daß man einen großartigen Eindruck gewann. An die heimlichen Wünsche seiner Zuhörer hatte Barcsay natürlich auch gedacht, als er mit vier Stücken von Tárrega Gitarren-Hits auspackte. Sehr elegant und nobel gestaltete er die Melodieführung der Pavane und vor allem des Capricho Árabe. Dessen viele kleine Zwischenkadenzen waren dankbare Aufgaben für seine Virtuosität und auch der Abschluß dieser Reihe: die Recuerdos de la Alhambra, bei deren Tremolo man nur die Augen schließen mußte, um sich wie in Spanien zu fühlen. Von Villa-Lobos erklangen neben der Etude Nr. 8 die beiden Préludes Nr. 1 und 4: das erste mit einer von Barcsay prächtig herausgearbeiteten Baß-Kantilene und das zweite mit klangmächtigen Einzeltönen und raffiniert plazierten Flageoletmelodien. Das jüngste Stück des Konzerts war Brouwers Viaje a la semilla (Die Reise zu den Wurzeln) aus dem Jahre 2000. Regenmachergeräusche leiteten ein großartiges Tongemälde ein, das von vielen Tempowechseln, komplizierten ostinaten Rhythmen, aber auch ruhigen Akkorden gekennzeichnet war, bevor es in einem immer wiederholten Ton endet. Die Zuhörer konnten von Barcsays Sound nicht genug bekommen und erklatschten sich als Zugabe Brouwers „Ein Tag im November“, der so wunderschön melancholisch klang, daß man gar nicht aufstehen und weggehen wollte.

Christian Nees