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 Der Verband für Musikberufe

Stephan Kaller, Konzert

Schwarz auf Weiß
Stephan Kaller spielte Klaviersonaten von Egk, Tippett und Chatchaturjan
Konzert vom: 
31.01.2013

Augsburg. Drei Komponisten, die am Beginn des 20.Jahrhunderts geboren wurden, bot der Klavierabend von  Stephan Kaller. Beim Tonkünstlerverband präsentierte der Augsburger Pianist Sonaten von Werner Egk (1901 - 1983), Michael Tippett (1905 - 1998) und Aram Chatchaturjan (1903 - 1978).Drei Künstler, drei Kulturkreise – jeder von ihnen repräsentierte auf seine Weise das Jahrhundert, blieb aber eher mit anderen Werken als Klaviermusik in Erinnerung. Ihre klare und „neutrale“ Sprache auf dem Tasteninstrument, die Hinterlassenschaft sozusagen Schwarz auf Weiß, hört man selten. Ein zahlreiches Publikum im Konzertsaal des Leopold-Mozart-Zentrums der Universität lauschte mit Interesse den Raritäten.
Werner Egk, Donauwörther (Geburtsort: das später eingemeindete Auchsesheim) und durch Schulzeit und andere Verbindungen Quasi-Augsburger, hat man als Schöpfer üppiger Bühnenwerke („Revisor“, „Peer Gynt“, „Abraxas“) im Ohr. Als ob er in der Klaviersonate von 1947 seine oft anarchisch ausbrechende musikalische Fantasie domestizieren wollte, hat er die fünf Sätze in einer seltsam rigiden Symmetrie angeordnet:  Erster und letzter Satz, eine Mischung aus frei fabulierenden Arabesken und ordnender Zucht, sind identisch; Satz zwei und vier (je Allegro), motorisch kompakter und angriffslustiger, ähneln sich stark; und in der in der Mitte ruht ein Andante als eher lyrischer Pol.
Das Hauptwerk des pazifistischen Londoners Michael Tippett ist das Oratorium „A Child of Our time“. In seiner einsätzigen Sonate Nr.2  geht er jedoch mit Themen oder auch winzigen Motivsplittern gegensätzlichster Couleur schon weniger friedfertig um. Das gibt es harte Kollisionen und schüchterne Annäherungen, bis  sich zum Schluss das ganze Projekt in gewollter Dekonstruktion auflöst, bevor Verbindungen entstehen. Auch hier wie bei Egk waltete Pianist Kaller mit Präzision und kristallklarer Diktion seines Amtes.

Zum Schluss konnte man den „Säbeltanz“ quasi in erweiterter Form bestaunen: Mit diesem Stück  aus dem Ballett „Gajaneh“ ist Aram Chatchaturjan unsterblich geworden. Auch in der Klaviersonate (1961/1976), einem dreisätzigen Panorama, stilisiert der Armenier Harmonie-Aromen und Klänge seiner kaukasischen Heimat in fast ungebärdig tänzerischer Bewegungswut, von Stephan Kaller mit Virtuosität und pianistischer Brillanz ausgebreitet – ein mitreißender musikalischer Parforceritt. Kaller beruhigte sich und die Gemüter des begeisterten Publikums mit einer Zugabe: Erik Saties „Vexations“ (Quälereien). Mit feiner Ironie angekündigt, erklangen Gott sei Dank nur die letzten sieben Minuten des endlos leiernden, 800 Mal  - sprich 24 Stunden - zu spielenden mehrtaktigen Nervensägen-Themas. 

Manfred Engelhardt