logo_tkva

dtkv logo

 Der Verband für Musikberufe

Tecchler-Trio Konzert

Tecchler-Trio
Konzert vom: 
05.11.2007

Dem TKV Augsburg-Schwaben ging es wie einem cleveren Bänker: gute Anlagen gewinnen „ganz von allein“ an Wert. Das Tecchler-Trio wurde für ein Konzert eingekauft als sehr gutes Nachwuchs-Klavier-Trio, und als es auftrat im Konzertsaal der Augsburger Musikhochschule, war es mittlerweile der Gewinner des ARD-Wettbewerbes im Fach Klaviertrio geworden. Das ist nun wirklich ein riesiger Zuwachs an Renommé, den das Ensemble durch diesen Sieg gewonnen hat, aber natürlich auch der Veranstalter, weil er den richtigen Riecher für das Besondere hatte. Das Tecchlertrio hatte eine Auftragskomposition für diesen Wettbewerb aufs Programm gesetzt, Tobias Peter Maria Schneids Trio Nr. 2 mit dem Titel „Three farewells and Intermezzo for L.“ (Ligeti ist gemeint) und sonst Werke von Frank Martin, Hans Werner Henze, Volker David Kirchner und Dieter Amann. Es wäre müßig, ins Einzelne zu gehen; denn das Konzert war einfach überwältigend gut. Es gab durchaus keine schwachen Stellen. Man konnte einem Wunder an Kommunikation und Virtuosität beiwohnen und war fasziniert von dem Eindruck, den das Ensemble erzeugte. Es war sehr beeindruckend mitzuerleben, wie die drei Akteure gespannt, quasi immer ganz vorne auf der Stuhlkante sitzend, sich gegenseitig mit allen Sinnen belauschten, beobachteten, ja belauerten, und sich gegenseitig die Bälle zuspielten, hervortraten, wenn sie „dran waren“, oder sich jeweils zurückhielten, wenn die anderen ihre Soli hatten. Erst seit Herbst 2003 spielen Esther Hoppe (Violine), Benjamin Engeli (Klavier) und der Augsburger Maximilian Hornung (Violoncello) zusammen, und jeder bzw. jede von ihnen ist selbstverständlich auch ein selbstständiger, bereits ausgereifter Virtuose auf seinem Instrument. Ich kann mich nur wiederholen: es ist selten zu hören, dass sich drei so kompetente Musiker zusammensetzen und zu einer höheren Einheit verschmelzen. Ihre Kraft, ihr Hingabe, ihre Präsenz, ihre Phantasie, ihre Sensibilität, ihre Frische: all das zusammen sorgte für einen ungeheuer vielschichtigen Reichtum an Klangfarben, Nuancen und feinsten Abstufungen bei der Spielweise, der Bogentechnik, der Vibratokultur. Und immer traf das Trio den charakteristischen Ton, ob das die irische Geigen-Melancholie und die Zerstörung der Volksliedidylle im Martin-Trio, die quasi romantische Cellokantilene bei Henze, die wilden plötzlichen Ausbrüche bei Kirchner oder die elegische Stimmung in Schneids Schlusssatz betraf. Dazu gehörten auch bei Ammanns nach einer Schaffenskrise geschriebenen Trio „Après le silence“ die im engeren Sinne unvirtuosen Verfremdungseffekte wie das das Atemgeräusch imitierende Streichen auf den Saiten ohne Ton oder das Zupfen der Klaviersaiten per Hand. Die Zuhörer spendeten nach diesen fünf meisterlich vorgetragenen Meisterwerken erschöpft, aber begeistert Beifall.

Christian Nees