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 Der Verband für Musikberufe

Thomas Seitz Trompete, Federico Del Sordo Orgel Konzert

Konzert vom: 
10.06.2010

Die Kombination von Trompete und Orgel zum Instrumentalduo ist eine bewährte, ja zu bestimmten Zeiten sogar beim Publikum sehr beliebte Sache. Man denke nur an die vielen Konzerte in der Weihnachtszeit, bei denen in dieser Besetzung - gerne auch mit zwei Trompeten - die Konzerte vorwiegend südländischer Komponisten des 18. Jahrhunderts gespielt werden. Meist geht man in einen dazu passenden Kirchenraum - möge es auch noch so kalt sein -, der also möglichst barock sein sollte. Nun, einen solchen Kirchenraum hatte der Tonkünstlerverein Schwaben-Augsburg nicht zu bieten für das Konzert von Thomas Seitz und Federico del Sordo, aber die Augsburger Barfüßerkirche macht auch etwas her, denn sie hat eine große Orgel und eine gute Akustik für solche Vorhaben. Thomas Seitz, ein Augsburger „G’wachs“ durch und durch, hatte sich den römischen Organisten Federico del Sardo zum Duopartner erwählt, einem Musiker, der auch wissenschaftlich publiziert und dessen Aufsätze jedenfalls auch „musikalisch“ sind, wie im Programmzettel zu lesen war. Glücklicherweise ging ihr Programm in jeder Hinsicht über das übliche Weihnachtsangebot weit hinaus, es hatte sogar eine Uraufführung zu bieten: Die Frammenti di un madrigale des römischen Komponisten und Kompositionsprofessors Francesco Telli (geb. 1959) wurden erstmalig aufgeführt. Hier fielen vor allem die zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten auf, durch die Telli Strukturen verdeutlicht und Klangfarben erzeugt. Anfangs waren Trompete und Orgel bewußt kontrastiert, dann klang es aber auch ganz toll, als die Trompete plötzlich im Orgelklang verschwunden und nicht mehr von ihr unterscheidbar war. Mit beißend-scharfen Staccatostellen wurden dann beide Instrumente wieder verselbständigt, bis alles schließlich kurz vor Schluß in einen lauten cluster mit Trompetenhysterie mündete, um endlich in einem hohlen Trompetenklang zu enden, der immer leiser wurde und dann in reinen Aus- und Einatmungsgeräuschen erstarb. Also: ein sehr wirkungsvolles Stück. Sehr viel konservativer in der Faktur, weil an dem cantus firmus „Christ ist erstanden“ orientiert, war Gustav Gunsenheimers Konzert für Trompete und Orgel. In einem ersten Satz mit Orgeleinleitung präsentierte die Trompete den Choral, manchmal leicht abgewandelt, dann wieder freies Orgelzwischenspiel. Schließlich drehte sich die Verteilung der Aufgaben um. Dann ein reiner Orgelsatz, farblich sehr apart, weil die Trompete die Orgel begleitet mit gedämpften Haltetönen. Nach einem scherzoähnlichen Zwischenspiel ein mit „Flautando“-Register instrumentiertes Orgelstück, was schließlich in der Wiederaufnahme und einer von Seitz mit hellem Strahleton gespielten Dur-Apotheose des Chorals endet. Begonnen hatte das Konzert mit der Sonata espanola op. 53 von Fred M. Bauersachs, wobei nicht ganz deutlich wurde, was das Spanische an diesem Stück ausmacht, die Motive oder eher die melodischen Bruchstücke? Jedenfalls konnte Seitz die Farbpalette seines Instruments präsentieren ebenso wie in Piera Pistonos Una finestra sul cielo: einmal rund und voll, dazu zart und weich im forte, dann aber auch all das im piano. Drei Kompositionen spielt Del Sordo als Solist, darunter eine eigene Komposition benannt „Re-cerca-Re“, wo ihn wohl auch vor allem die Ausnutzung aller technischen Möglichkeiten der Orgel interessierte; denn es waren beispielsweise plötzliche Wechsel von laut zu leise, tiefe 32-Fuß-Schwingungen, Ostinati mit vielen schnellen Läufen, Liegetöne, crescendo-decrescendo-Effekte zu vernehmen, und das alles sehr virtuos gespielt. Auch die Nähe zum reinen Entertainment machte Del Sardo Spaß; denn Peter Planyawskys mit allen Orgeltricks gespickte Toccata alla Rumba brachte leichten Copacabanasound in die strenge Barfüßerkirche. Auch Guy Bovets Salamanca hat sehr wirkungsvolle Effekte; denn es begann - perfekt registriert - wie ein Spielsmannzug mit hohen Pfeifen und Baß, um dann nach vielen Entwicklungen in einer Art Konzertwalzer zu enden. Wenig Publikum, viel Beifall, eine Zugabe.

Christian Nees