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 Der Verband für Musikberufe

Wolfgang Zoubek (Orgel) Konzert

Konzert vom: 
25.10.2006

Das Orgelkonzert Wolfgang Zoubeks in der Augsburger St.-Anna-Kirche für den Tonkünstlerverein hatte keine explizite Überschrift, hatte aber doch einen interessanten (vielleicht zufällig entstandenen?) Schwerpunkt: drei der sechs vorgestellten Komponisten stammten aus Böhmen oder Tschechien, nämlich der 1945 in Böhmen geborene Roland Leistner-Mayer, der Tscheche Jan Jirásek (Jahrgang 1955) und Wolfgang Zoubek selber, der 1945 in Klattau geboren wurde. Leistner-Mayers überwiegend tonal gehaltener Sonnengesang begann mit mächtigen Akkorden ganz wie ein Choral, hatte aber auch ruhige Abschnitte, die Zoubek sehr exqisit mit weichen, süßlichen Registern der wunderbar klingenden Orgel registrierte. Von Jirásek war „Ad unum“ zu hören, ein sehr vielschichtiges Stück mit ostinaten Rhythmen und Motiven, die immer wieder rondoartig wiederkehrten, choralartigen Themen, die diminuitiv verändert Zoubeks Spieltechnik herausforderten. Am Schluß kehrt das Stück zum Beginn zurück. Zoubek schaffte es hervorragend, den Spannungsbogen bis zum Ende nicht abreißen zu lassen. Zoubek selbst ist in Komposition ein Bialas- und Killmayer-Schüler, also von München sehr geprägt, hat aber auch bei Messiaen in Paris studiert. „Vier Versetten über Salve Regina“ steuerte er als Komponist zum Programm bei, wobei bei der Ausführung seiner eigenen Werke wieder die ausgesuchte Klangfarbenwahl (z. B. sehr dunkle Farben im dritten Stück) und seine Virtuosität (schnelle Figuration um ein Vier-Ton-Motiv im vierten Stück) hervorstachen. Die Orgel in diesem Raum bietet aber auch für den Kenner beste Voraussetzungen mit ihrem grundsätzlich weichen und runden Klang in einem Kirchenraum ohne störenden Nachhall. Von Christian Heimerl führte Zoubek drei Stücke (einer Suite?) zum ersten Mal auf: Prélude, Miséricors und eine Toccata. Das Prélude gibt sich irgendwie spätromantisch in Gestus und Klangsprache, endet in Dur, beginnt aber wie ein Bachsches Präludium mit charakteristischer Motorik. Das zweite Stück ist eine Art Lied ohne Worte: Kantilenen und deren akkordische Begleitung sind deutlich zu unterscheiden, manchmal werden sie rezitativisch unterbrochen. Auch hier registrierte Zoubek die „Gesangsstimme“ wieder sehr originell und zeigte die reiche Klangpalette seines Instruments. Heimerls Toccata orientierte sich in kontrapunktischen Satz und der Motorik an der Toccata. Auch sie endete in einem mächtigen Dur-Schluß. Insgesamt sind diese drei Stücke sehr redselig und deswegen etwas zu lang geraten. Als Kontrast waren so der knappe „Spiegel im Spiegel“ von Pärt und Willschers im Messiaen-Stil gehaltene „Traurige Vögel“ sehr willkommen. Pärt hat vermutlich den Titel auf die kompositorische Anlage seines Stückes bezogen. Zu hören war jedenfalls nur ein ständig präsentes kurz-kurz-lang-Motiv innerhalb einer ruhigen, „monotonen“ Klangfläche, ohne unterschiedliche Klangfarben. Schade, daß diesmal so wenig Zuhörer den Weg in die St.-Anna-Kirche und ihre schöne Orgel gefunden hatten!

Christian Nees