Der Verband für Musikberufe

FESTKONZERT 100 Jahre Augsburger Tonkünstler (3)

Grußwort des Schirmherrn
Dr. Peter Menacher, Altoberbürgermeister
Konzert vom: 
31.03.2019

Liebe Freunde der Musik!

„Hätte es den Tonkünstlerverband bereits zur Zeit von Leopold Mozart gegeben, so wäre dessen Mitgliedschaft außer Frage gestanden.“ So begann ich als Schirmherr vor 25 Jahren mein Grußwort. Heute sind wir alle, d.h. der Tonkünstlerverband, Leopold, das Publikum und ich ein Vierteljahrhundert älter (die Damen ausgenommen) und doch genauso vital, zumindest musikliebend geblieben. Wir feiern gemeinsam ein Jahrhundert: für einen Menschen etwas Besonderes, für die Musik ein Wimpernschlag der Menschheit. Woran denken wir aus solchem Anlass? Mir fallen drei Stichworte ein.

Da sind an erster Stelle die Künstler selbst. Der Dichter Prudhomme sagte: „Das Leben des Künstlers ist Rausch und Not.“ Gegen letzteres ist Ihr Verband  mit seinen Diensten eine große Hilfe. Trotzdem gibt es die Einsamkeit des Komponierens bei der Übersetzung von Gedanken und Gefühlen in die Tonsprache. Mancher Künstler mag – wie bei Franz Werfel zu lesen – geklagt haben: „Die anderen Götter, bitte, lassen mich nicht Gott sein!“ Die Antwort: „Das ist Künstlerlos, mein Lieber!“ Wenn ich mich an Begegnungen erinnere mit Persönlichkeiten wie Kottermaier, Lampart, Woll, Miller, Erhard, Heller, Hefele, Preuschoff oder Walz und Tluck u.v.a.,dann kann ich mir gut vorstellen, dass sich ein Tonkünstlerverband natürlicherweise – wie die Musik - im Spannungsfeld von Harmonien und Polyphonien bewegt. Um so mehr ist Ihrem ehrenamtlichen Vorstand und dessen Vorgängern  zu danken, dass sie erfolgreich das Ziel verfolgt haben: Die Kultur soll leben – aber die Künstler auch.

Zum Zweiten fiel mir in Ihrem Faltblatt ein großes „Q“ auf. Es steht für das Zertifikat „Qualität“  Damit erheben Sie einen Anspruch im Sinne von Wolfgang Amadeus, der an seinen Vater schrieb: „Musik soll niemals das Ohr beleidigen!“ Das Publikum und erst recht die Kritiker erwarten ja vom Musiker ohnehin viel: Virtuosität, Präsenz, Klarheit, einen warmen, fülligen Ton, Spielfreude, Charme, Farbenreichtum, einen unwiderstehlichen Zauber  und  vieles mehr. Das Wort „Tonkunst“ wird ja nur noch selten verwendet und doch wird in ihm sichtbar, dass die Urkraft Musik ein schöpferisches Gestalten im Sinne von Kunst erfordert. Hermann Hesse schreibt sogar: „Musik ist die Seele aller Künste.“  Halten Sie deshalb weiter am „Q“ und am Anspruch fest, dann werden Sie Schüler und Hörer ansprechen. 

Und schließlich fällt der Blick auf das Stichwort Jugend oder Neues und Herausforderungen. Die Einbindung des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ hat eine lange Tradition, passt aber auch zur durchgängigen Förderung des musikalischen Nachwuchses. Die Verbindung von Kunst und Erziehung, heute auch „artful learning“ bezeichnet, sucht und findet neue Formen in Musikvermittlungsprojekten aller Art. Die Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und Musikinstitutionen öffnet neue Türen.  Es geht aber auch um „Neue Töne“, um zeitgenössische Musik. Mit der Auftragskomposition an Tobias PM Schneid, die heute zur  Uraufführung kommt, setzen Sie bewusst ein Zeichen der Offenheit. Wir alle sind neugierig auf diesen „Amadé“. Und die Viermetz-Stiftung  ist überzeugt, dass Banknoten und Musiknoten sich durchaus vertragen. Innovation und Moderne stehen dabei auf den Schultern der Vorfahren, besonders des letzten Jahrhunderts.  Die Avantgarde hat dabei keine Berührungsängste mit anderen Künsten, sodass kürzlich eine Überschrift lautete: „Musik küsst die Bildende Kunst“. Was auch immer an Ungewohntem und an Experiment gewagt wird, manches wird bleiben und manches geht den Weg von „Des Kaisers neue Kleider“.
Die größten Herausforderungen aktuell stellen sich auf dem Weg der Musik zu den Menschen. Im deutschen Tonträgermarkt ist der Anteil des Audio-Streamings auf rund die Hälfte angestiegen. Die sog. „Social Media“  mit Livestream und Likes und Bits und Bites sind  Herausforderung und Chance zugleich. Der Tonkünstlerverband wird sicher dazu beitragen, dass  neue Wege begangen werden und neue Töne eine Chance bekommen, oder anders gesagt, dass Augsburg und Schwaben eine kreative Kulturlandschaft bleiben.   

Meine Damen und Herren,
was wünscht man Tonkünstlern? Vor längerer Zeit befasste ich mich mit dem Zeugnis, das Leopold Mozart vor seinem Abgang nach Salzburg (der anderen Mozartstadt) erhielt. Er war ja Schüler am Salvator-Gymnasium und Lyzeum hier in der Jesuitengasse und stand hier beim Schultheater auf der Bühne, unter anderem als singender Hirtenknabe, der Vorform eines Tonkünstlers. Sein Zeugnis endet mit den Worten:
„Er verdient demnach, dem Wohlwollen und der Gunst aller, an die er sich wenden wird, überall verdientermaßen empfohlen zu werden.“ 
Genau das Gleiche wünschen wir dem verdienstvollen Tonkünstlerverband Augsburg – Schwaben zu seinem Jubiläum, ganz gleich ob es sich um Beitrittszahlen oder Fördermittel, Kreativität, Anerkennung oder Publikumsresonanz handelt:
    „…er verdient…. überall verdientermaßen empfohlen zu werden.“
Ich wünsche Ihnen ein Crescendo und sage: Vielen Dank und alles Gute! Und jetzt gilt: „Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.“ (E. T. A. Hoffmann)