Der Verband für Musikberufe

In Search of Dowland

Renaissance – ganz nahe
Das Blockföten-Quintett „bFIVE“ und seine Dowland-Hommage
Konzert vom: 
05.10.2018

Er war einer der ganz Großen der Laute, der bedeutendste musikalische Repräsentant des englischen Tudor-Zeitalters. Und er fasziniert noch immer: John Dowland (1562 - 1626) – im Original, oder auch so, wie er offensichtlich Carl Rütti inspiriert hat. Der 69-jährigen Schweizer Komponist hat in seiner Suite „In Search of Dowland“ mit fesselnden musikalischen Bildern das Renaissance-Gefühl und das britisch-irische Lautengenie nah an unsere Gegenwart herangeholt – „gezoomt“ möchte man das raffinierte Verfahren Rüttis nennen. Und wenn es derart spannungsvoll, virtuos, mit musikantischem Affekt ebenso wie mit kristalliner Perfektion wie vom Quintett „bFIVE“ gespielt wird, ist Entzücken angesagt. In der meditativen Aura der alten Augsburger Barfüßerkirche erlebte das Publikum beim Konzert des Tonkünstlerverbandes, welchen Klangzauber Blockflöten entfalten können und wie Rütti Dowlands Musik für diese Besetzung im wahrsten Sinn des Wortes erfolgreich „instrumentalisiert“ hat. Markus Bartholomé, Silja-Maaria Schütt, Kateline Lanneau, Mina Voet und Thomas List bedienen einen rund 20-teiligen Flöten-Chorus, alle geschaffen von einem Amsterdamer Blockflöten-Bauer („BFIVE“: „Das ist wichtig für den organischen Klang“), von der höchsten Sopran- bis in die fast bizarren Tiefen des Kontrabass-Flöte wird Carl Rüttis Dowland-Spektakel entfaltet. Darin lässt er die vitalen Galliarden, Tänze und Pavanen vom Original bis in seine eigene Klangwelt unserer modernen Hörgewohnheiten ineinandergleiten – übermütig sprudelnd bis abgründig melancholisch. Manchmal fast unmerklich ereignet sich diese musikalische Mimikry, die in Dowlands klingendes Gewand schlüpft, manchmal aber auch jäh kontrastreich, witzig, schelmisch swingend,  wie ein Spuk delirierend singender Vögel.  

Manfred Engelhardt, Augsburg.